"Tief sitzendes Gefühl einer großen Ungerechtigkeit"
Emotionen durch die Besetzung in der Westbank geprägt
tagesschau.de:
Wie erklären Sie sich aber, dass das Entsetzen der westlichen Staaten über den Hamas-Angriff vom 7. Oktober in den arabischen Staaten nicht feststellbar ist - trotz des Verschleppens von Geiseln, trotz des Tötens von Babys, des Hinrichtens von Holocaust-Überlebenden?
Reinicke: ( 1 )
Dazu muss man die Befindlichkeiten der arabischen Welt verstehen, die ganz anders geprägt sind. In Bezug auf Israel ist die Emotion vor allem durch die Besetzung Israels in der Westbank und in Gaza geprägt, durch Streitigkeiten und Gewalt von Siedlern gegenüber Palästinensern, durch Angriffe auf Ernten, durch Häuserabrisse, auch durch den fortschreitenden Siedlungsbau.
Darüber wird in den arabischen Medien viel breiter berichtet als bei uns und hat, neben vielen anderen Aspekten, in der arabischen Bevölkerung das tief sitzende Gefühl einer großen Ungerechtigkeit hervorgerufen. Und dieses Gefühl kommt im Augenblick viel mehr zum Tragen als das Entsetzen über die Bilder, das bei uns prägend ist.
( 1 ) Dr. Andreas Reinicke ist Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Berlin. Der frühere Diplomat leitete von 2001 bis 2004 das Vertretungsbüro bei der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah und war später deutscher Botschafter in Syrien und Tunesien. 2012 bis 2013 war er EU-Sonderbeauftragter für den Friedensprozess im Nahen Osten.
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Emotionen durch die Besetzung in der Westbank geprägt
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Wie erklären Sie sich aber, dass das Entsetzen der westlichen Staaten über den Hamas-Angriff vom 7. Oktober in den arabischen Staaten nicht feststellbar ist - trotz des Verschleppens von Geiseln, trotz des Tötens von Babys, des Hinrichtens von Holocaust-Überlebenden?
Reinicke: ( 1 )
Dazu muss man die Befindlichkeiten der arabischen Welt verstehen, die ganz anders geprägt sind. In Bezug auf Israel ist die Emotion vor allem durch die Besetzung Israels in der Westbank und in Gaza geprägt, durch Streitigkeiten und Gewalt von Siedlern gegenüber Palästinensern, durch Angriffe auf Ernten, durch Häuserabrisse, auch durch den fortschreitenden Siedlungsbau.
Darüber wird in den arabischen Medien viel breiter berichtet als bei uns und hat, neben vielen anderen Aspekten, in der arabischen Bevölkerung das tief sitzende Gefühl einer großen Ungerechtigkeit hervorgerufen. Und dieses Gefühl kommt im Augenblick viel mehr zum Tragen als das Entsetzen über die Bilder, das bei uns prägend ist.
( 1 ) Dr. Andreas Reinicke ist Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Berlin. Der frühere Diplomat leitete von 2001 bis 2004 das Vertretungsbüro bei der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah und war später deutscher Botschafter in Syrien und Tunesien. 2012 bis 2013 war er EU-Sonderbeauftragter für den Friedensprozess im Nahen Osten.
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