In Davos beginnt der diesjährige Kongress des Weltwirtschaftsforums – nicht ohne kritische Stimmen
Am Montag ist es wieder so weit: Im schweizerischen Davos kommen etliche Führungskräfte der weltweit mächtigsten Unternehmen zum Weltwirtschaftsforum (WEF) zusammen, um mit etwa 60 Staats und Regierungschefs die aktuelle Lage des Welthandels zu analysieren. Bundeskanzler Olaf Scholz wird am Dienstag erwartet, und auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Chinas Vizepremier Ding Xuexiang und Argentiniens Präsident Javier Milei haben sich angekündigt. Donald Trump wird sich laut Programm am Donnerstag per Videoansprache dazuschalten. Und das nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt als US-Präsident.
Das Motto des 55. WEF-Kongresses lautet „Zusammenarbeit für das intelligente Zeitalter“. Es geht also um die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI), die in vielen Branchen bereits zum festen Bestandteil der Arbeitsabläufe geworden ist oder es noch werden soll. Aber auch die Vereidigung Trumps wird zwangsläufig eine Rolle spielen. Denn die fällt in diesem Jahr genau auf den ersten Kongresstag in Davos. Für den Nachmittag ist auch sogleich ein Panel mit dem Titel „First Impressions: Inauguration Day“ (Erste Eindrücke: Tag der Amtseinführung) angesetzt.
Die Politik Trumps und seine Ankündigungen, Handel vor allem mittels Strafzöllen und Sanktionen zu steuern, stehen sinnbildlich für die Art, wie globale Geschäfte heutzutage gemacht werden. Nicht nur die USA, sondern beispielsweise auch die EU nutzen mittlerweile handelsbeschränkende Maßnahmen, um konkurrierende Wirtschaftsnationen zu schwächen. Und das sogar auf Kosten der eigenen Wachstumsziele.
Gleichzeitig verstärkt sich laut einem aktuellen Oxfam-Bericht die soziale Ungleichheit weltweit. In jedem Jahr veröffentlicht die Entwicklungsorganisation anlässlich des WEF-Kongresses eine Studie zur weltweiten Verteilung von Reichtum und Armut. Demnach ist die Zahl der Hungernden im Jahr 2024 auf 733 Millionen gestiegen, während das Gesamtvermögen der Milliardäre von 13 Billionen Dollar 2023 auf 15 Billionen Dollar im Jahr 2024 gewachsen ist. Mit nun 130 Milliardären (neun mehr als 2023) hierzulande, reiht sich Deutschland hinter den USA, China und Indien ein. Laut Oxfam seien Superreiche auch dafür verantwortlich, diese ungerechten Strukturen aufrechtzuerhalten. Und sie bekommen immer mehr politische Macht. Zuletzt war das in drastischer Weise bei der erfolgreichen Wahlkampfhilfe des Tech-Milliardärs Elon Musk für Donald Trump zu beobachten.
Anna Laura Müller Frankfurter Rundschau 20.1.2025
Es ist so wie es ist. An der Stätte, an der ein ein Bundeskanzler einer ehemaligen Arbeiterpartei stolz verkündet hat, dass er in seinem Land den größten Niedriglohnsektor der EU geschaffen habe und dieser aber noch ausgeweitet werden müsse, an dieser Stätte treffen sich wieder die Reichen und Politiker sind dafür dankbar, dass sie dort ein paar Worte sagen dürfen zu und dafür ein paar Häppchen abbekommen. Denn das verleiht gleich einen offiziellen Eindruck.
Frau Müller erwähnt zwar, dass die Reichen neben immer mehr Geld auch immer mehr politische Macht bekämen, wie das zuletzt in drastischer Weise bei der erfolgreichen Wahlkampfhilfe des Tech-Milliardärs Elon Musk für Donald Trump zu beobachten gewesen wäre.
Dem muss ich aber etwas widersprechen.
Selbstverständlich bekommen die Reichen neben immer mehr Millionen auch immer mehr politische Macht. Aber das war schon immer so.
Neu ist nur, dass jetzt die Generation nachwächst, die diese Macht nicht wie bisher diskret ausübt. Jetzt beginnt die Zeit, in der man das ganz offen zeigen darf.
Trump merkt das bereits. Das beschädigt seinen Lack. Mal sehen wer diesen Machtkampf gewinnt.
In Davos beginnt der diesjährige Kongress des Weltwirtschaftsforums – nicht ohne kritische Stimmen
Am Montag ist es wieder so weit: Im schweizerischen Davos kommen etliche Führungskräfte der weltweit mächtigsten Unternehmen zum Weltwirtschaftsforum (WEF) zusammen, um mit etwa 60 Staats und Regierungschefs die aktuelle Lage des Welthandels zu analysieren. Bundeskanzler Olaf Scholz wird am Dienstag erwartet, und auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Chinas Vizepremier Ding Xuexiang und Argentiniens Präsident Javier Milei haben sich angekündigt. Donald Trump wird sich laut Programm am Donnerstag per Videoansprache dazuschalten. Und das nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt als US-Präsident.
Das Motto des 55. WEF-Kongresses lautet „Zusammenarbeit für das intelligente Zeitalter“. Es geht also um die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI), die in vielen Branchen bereits zum festen Bestandteil der Arbeitsabläufe geworden ist oder es noch werden soll. Aber auch die Vereidigung Trumps wird zwangsläufig eine Rolle spielen. Denn die fällt in diesem Jahr genau auf den ersten Kongresstag in Davos. Für den Nachmittag ist auch sogleich ein Panel mit dem Titel „First Impressions: Inauguration Day“ (Erste Eindrücke: Tag der Amtseinführung) angesetzt.
Die Politik Trumps und seine Ankündigungen, Handel vor allem mittels Strafzöllen und Sanktionen zu steuern, stehen sinnbildlich für die Art, wie globale Geschäfte heutzutage gemacht werden. Nicht nur die USA, sondern beispielsweise auch die EU nutzen mittlerweile handelsbeschränkende Maßnahmen, um konkurrierende Wirtschaftsnationen zu schwächen. Und das sogar auf Kosten der eigenen Wachstumsziele.
Gleichzeitig verstärkt sich laut einem aktuellen Oxfam-Bericht die soziale Ungleichheit weltweit. In jedem Jahr veröffentlicht die Entwicklungsorganisation anlässlich des WEF-Kongresses eine Studie zur weltweiten Verteilung von Reichtum und Armut. Demnach ist die Zahl der Hungernden im Jahr 2024 auf 733 Millionen gestiegen, während das Gesamtvermögen der Milliardäre von 13 Billionen Dollar 2023 auf 15 Billionen Dollar im Jahr 2024 gewachsen ist. Mit nun 130 Milliardären (neun mehr als 2023) hierzulande, reiht sich Deutschland hinter den USA, China und Indien ein. Laut Oxfam seien Superreiche auch dafür verantwortlich, diese ungerechten Strukturen aufrechtzuerhalten. Und sie bekommen immer mehr politische Macht. Zuletzt war das in drastischer Weise bei der erfolgreichen Wahlkampfhilfe des Tech-Milliardärs Elon Musk für Donald Trump zu beobachten.
Anna Laura Müller Frankfurter Rundschau 20.1.2025
Es ist so wie es ist. An der Stätte, an der ein ein Bundeskanzler einer ehemaligen Arbeiterpartei stolz verkündet hat, dass er in seinem Land den größten Niedriglohnsektor der EU geschaffen habe und dieser aber noch ausgeweitet werden müsse, an dieser Stätte treffen sich wieder die Reichen und Politiker sind dafür dankbar, dass sie dort ein paar Worte sagen dürfen zu und dafür ein paar Häppchen abbekommen. Denn das verleiht gleich einen offiziellen Eindruck.
Frau Müller erwähnt zwar, dass die Reichen neben immer mehr Geld auch immer mehr politische Macht bekämen, wie das zuletzt in drastischer Weise bei der erfolgreichen Wahlkampfhilfe des Tech-Milliardärs Elon Musk für Donald Trump zu beobachten gewesen wäre.
Dem muss ich aber etwas widersprechen.
Selbstverständlich bekommen die Reichen neben immer mehr Millionen auch immer mehr politische Macht. Aber das war schon immer so.
Neu ist nur, dass jetzt die Generation nachwächst, die diese Macht nicht wie bisher diskret ausübt. Jetzt beginnt die Zeit, in der man das ganz offen zeigen darf.
Trump merkt das bereits. Das beschädigt seinen Lack. Mal sehen wer diesen Machtkampf gewinnt.