Die Umfragewerte der AfD sinken. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner.
Herr Güllner, die AfD verliert leicht in den Umfragen, die Union legt zu. Ist der Höhenflug der AfD gestoppt?
In der Tat wächst die AfD zurzeit nicht mehr weiter. Aber es dürfte zu früh sein, um sich darüber zu freuen. Um den Aufstieg der AfD zu stoppen, ist es extrem wichtig, dass sich alle demokratischen Parteien deutlich gegen die AfD abgrenzen. Friedrich Merz ist an den hohen Werten der vergangenen Monate ja zum großen Teil mitschuldig. Im Wahlkampf und nach der Bundestagswahl konnte man beobachten, wie die Union der AfD zu immer höheren Umfragewerten verholfen hat. Erst nimmt Friedrich Merz vor der Wahl eine Mehrheit mit der AfD in Kauf, dann spricht Jens Spahn nach der Wahl darüber, die AfD wie eine normale Partei zu behandeln. Das wurde als Annäherung verstanden und die AfD-Umfragewerte überstiegen sogar ihr Wahlergebnis. Wenn die demokratischen Parteien zusammenhalten, sieht es hingegen anders aus.
Trotz des Höhenflugs hat die AfD nach Sonneberg 2023 kein weiteres Landratsamt erobern können. Woran liegt das?
Das haben wir vor zwei Wochen aktuell nochmals sehr eindrucksvoll in Mecklenburg-Vorpommern beobachten können. Dort sind AfD-Kandidaten in drei Landkreisen in die Stichwahlen eingezogen, dort aber deutlich gescheitert. Das lag daran, dass sie bereits in der ersten Runde ihr Potenzial ausgeschöpft hatten und keine weiteren Anhänger mobilisieren konnten. Und vor allem lag es daran, dass die anderen Parteien sich hinter den zweitplatzierten Kandidaten gestellt haben. Auch die Linke hat CDU-Kandidaten unterstützt und dadurch mitgeholfen, AfD-Landräte zu verhindern.
Die CDU hält an ihrem Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linken fest – richtig so?
Die heutige Linkspartei hat kaum noch etwas mit der SED-Nachfolgepartei zu tun. Die Union täte gut daran, ihre Phobie gegen die Linke abzulegen. Die ist heute – auch begünstigt durch den Austritt von Wagenknecht und ihrer Gefolgsleute – eine demokratische Partei, mit der man, falls nötig, staatstragend zusammenarbeiten kann.
Hält die Verbotsdebatte Leute davon ab, die AfD zu wählen?
Ich würde es andersherum sehen: Die übergroße Mehrheit der Wahlberechtigten will nach wie vor mit der AfD nichts zu tun haben. Diesen Menschen muss man aber auch Argumente liefern. Dass die AfD eine rechtsradikale Partei ist, ist insofern ein extrem wichtiges Argument. Diese Partei will auf legalem Weg an die Macht kommen, um dann das demokratische System auszuhöhlen und letztlich zu zerstören. Viele agieren deshalb in der Verbotsdebatte zu vorsichtig.
Was müssen Union und SPD in der Regierung leisten, um bei den nächsten Wahlen stärker abzuschneiden?
Es ist ein Missverständnis von Friedrich Merz, dass die Migration das wichtigste Thema ist. Eine Mehrheit befürwortet zwar seit Jahren eine Begrenzung der illegalen Zuwanderung, aber markige Sprüche und rechtlich fragwürdige Aktionen bringen keine Sympathiepunkte. Viel wichtiger ist, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt, dass die Infrastruktur und der Staat als Ganzes modernisiert werden. Diesen Herausforderungen muss sich die Regierung vor allem stellen.
Frankfurter Rundschau 7.6.2025
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Da hätte der Herr Güllner etwas deutlicher werden können. Aber dass die Infrastruktur und der Staat als Ganzes modernisiert werden müssen, das steht ja für vieles.
Aber etwas sagt er deutlich. Auf dem lahmen Gaul „Migration“ vor den Landjägern aus Bayern voraus reiten, das bringt dem Ziel nicht näher. Das ist zu wenig. Im Gegenteil.
Die Umfragewerte der AfD sinken. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner.
Herr Güllner, die AfD verliert leicht in den Umfragen, die Union legt zu. Ist der Höhenflug der AfD gestoppt?
In der Tat wächst die AfD zurzeit nicht mehr weiter. Aber es dürfte zu früh sein, um sich darüber zu freuen. Um den Aufstieg der AfD zu stoppen, ist es extrem wichtig, dass sich alle demokratischen Parteien deutlich gegen die AfD abgrenzen. Friedrich Merz ist an den hohen Werten der vergangenen Monate ja zum großen Teil mitschuldig. Im Wahlkampf und nach der Bundestagswahl konnte man beobachten, wie die Union der AfD zu immer höheren Umfragewerten verholfen hat. Erst nimmt Friedrich Merz vor der Wahl eine Mehrheit mit der AfD in Kauf, dann spricht Jens Spahn nach der Wahl darüber, die AfD wie eine normale Partei zu behandeln. Das wurde als Annäherung verstanden und die AfD-Umfragewerte überstiegen sogar ihr Wahlergebnis. Wenn die demokratischen Parteien zusammenhalten, sieht es hingegen anders aus.
Trotz des Höhenflugs hat die AfD nach Sonneberg 2023 kein weiteres Landratsamt erobern können. Woran liegt das?
Das haben wir vor zwei Wochen aktuell nochmals sehr eindrucksvoll in Mecklenburg-Vorpommern beobachten können. Dort sind AfD-Kandidaten in drei Landkreisen in die Stichwahlen eingezogen, dort aber deutlich gescheitert. Das lag daran, dass sie bereits in der ersten Runde ihr Potenzial ausgeschöpft hatten und keine weiteren Anhänger mobilisieren konnten. Und vor allem lag es daran, dass die anderen Parteien sich hinter den zweitplatzierten Kandidaten gestellt haben. Auch die Linke hat CDU-Kandidaten unterstützt und dadurch mitgeholfen, AfD-Landräte zu verhindern.
Die CDU hält an ihrem Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linken fest – richtig so?
Die heutige Linkspartei hat kaum noch etwas mit der SED-Nachfolgepartei zu tun. Die Union täte gut daran, ihre Phobie gegen die Linke abzulegen. Die ist heute – auch begünstigt durch den Austritt von Wagenknecht und ihrer Gefolgsleute – eine demokratische Partei, mit der man, falls nötig, staatstragend zusammenarbeiten kann.
Hält die Verbotsdebatte Leute davon ab, die AfD zu wählen?
Ich würde es andersherum sehen: Die übergroße Mehrheit der Wahlberechtigten will nach wie vor mit der AfD nichts zu tun haben. Diesen Menschen muss man aber auch Argumente liefern. Dass die AfD eine rechtsradikale Partei ist, ist insofern ein extrem wichtiges Argument. Diese Partei will auf legalem Weg an die Macht kommen, um dann das demokratische System auszuhöhlen und letztlich zu zerstören. Viele agieren deshalb in der Verbotsdebatte zu vorsichtig.
Was müssen Union und SPD in der Regierung leisten, um bei den nächsten Wahlen stärker abzuschneiden?
Es ist ein Missverständnis von Friedrich Merz, dass die Migration das wichtigste Thema ist. Eine Mehrheit befürwortet zwar seit Jahren eine Begrenzung der illegalen Zuwanderung, aber markige Sprüche und rechtlich fragwürdige Aktionen bringen keine Sympathiepunkte. Viel wichtiger ist, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt, dass die Infrastruktur und der Staat als Ganzes modernisiert werden. Diesen Herausforderungen muss sich die Regierung vor allem stellen.
Frankfurter Rundschau 7.6.2025
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Da hätte der Herr Güllner etwas deutlicher werden können. Aber dass die Infrastruktur und der Staat als Ganzes modernisiert werden müssen, das steht ja für vieles.
Aber etwas sagt er deutlich. Auf dem lahmen Gaul „Migration“ vor den Landjägern aus Bayern voraus reiten, das bringt dem Ziel nicht näher. Das ist zu wenig. Im Gegenteil.