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Die europäische Abhängigkeit

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 19.08.2025, 12:11 – geändert Dienstag 19.08.2025, 12:17

Umfassende Sanktionen sind für Europa schädlich.
Dreht Putin den Atomhahn zu,
gehen hier die Lichter aus.
Europa ist bei der Kernenergie weiterhin in mehreren Bereichen von Russland abhängig.
Besonders betroffen ist die Versorgung mit Uran und
mit russischen Brennelementen sowie die Nutzung von russischer Nukleartechnik in verschiedenen Staaten:

Im Jahr 2020 bezog die EU etwa 20% ihres Urans direkt aus Russland, weitere 19% kamen aus Kasachstan, das eng mit Russland verbunden ist. Das bedeutet,
dass knapp 40% des in der EU genutzten Urans
aus Ländern stammt,
die unter russischem Einfluss stehen.

Für bestimmte Reaktortypen – vor allem osteuropäische Kernkraftwerke sowjetischer Bauart – gibt es bislang kaum Alternativen zu russischen Brennelementen. 18 Reaktoren in der EU sind zu 100% von russischen Brennelementlieferungen abhängig, darunter Anlagen in Tschechien (Temelín, Dukovany), Ungarn (Paks), der Slowakei (Mochovce, Bohunice), Bulgarien (Kosloduj) und Finnland (Loviisa).

Zugleich ist Russland durch seinen Staatskonzern Rosatom stark in europäische Neubauprojekte involviert: Weltweit werden über ein Drittel aller neuen AKW-Projekte von Rosatom durchgeführt.

Die EU hat als Reaktion auf den Ukraine-Krieg beschlossen, die Abhängigkeit von russischen Energieimporten, einschließlich der Kernenergie, vollständig zu beenden. Bis spätestens 2027 sollen keine russischen Gas-, Öl- oder Kernbrennstoffimporte mehr stattfinden. Bis Ende 2025 müssen nationale Fahrpläne zum Ausstieg ausgearbeitet werden. Neue Lieferverträge für russische Kernbrennstoffe sollen ab 2026 verboten sein, bestehende Verträge spätestens bis Ende 2027 auslaufen.

Der vollständige Ausstieg wird als Herausforderung gesehen, da Alternativen für spezielle Brennelemente noch nicht in der benötigten Menge oder Qualität verfügbar sind und Preissteigerungen drohen. Ein kompletter Verzicht auf russische Lieferungen würde die Kernenergie für einige Länder deutlich teurer und weniger wirtschaftlich machen.

Zusammengefasst bleibt Europa im Bereich Uranbeschaffung und Brennelementproduktion vor allem bei älteren,
sowjetischen Reaktortypen stark von Russland abhängig.

Rosatom, der russische Staatskonzern für Kernenergie, spielt in Deutschland trotz Atomausstieg weiterhin eine relevante Rolle – vor allem durch Firmenbeteiligungen und technologische Kooperationen:

Noch bis Juli 2024 gehörte das Unternehmen Nukem Technologies GmbH, das sich auf Rückbau und Entsorgung von Kernkraftwerken spezialisiert hat, vollständig einer Tochterfirma von Rosatom. Die Übernahme durch einen japanischen Eigentümer beendete diese direkte Verbindung erst kürzlich.

In der Brennelementefabrik Lingen (Niedersachsen) plant das französische Unternehmen Framatome ein Joint Venture mit Rosatom. Ziel ist, Brennelemente für ältere Reaktoren sowjetischer Bauart herzustellen, wie sie noch in etlichen osteuropäischen Ländern betrieben werden. Rosatom soll 25% an dem Gemeinschaftsunternehmen halten, Wissen, Lizenzen und Maschinen beisteuern – diese stehen bereits in Lingen bereit.

Das geplante Joint Venture löst in Deutschland heftige Kritik aus: Kritiker warnen vor Sicherheits- und Spionagerisiken sowie vor einer politischen Abhängigkeit von Russland auf deutschem Boden, zumal Rosatom auch mit dem russischen Militär vernetzt ist. Weiterhin würde die Versorgung der EU mit Brennelementen zumindest teilweise auf russische Technologie und Know-how zurückfallen.

Die direkte Verbindung der russischen Atomwirtschaft zur deutschen Atomlobby wird zudem kritisiert: Der frühere Geschäftsführer von Nukem Technologies ist Vorsitzender des deutschen Atomlobby-Verbands Kerntechnik Deutschland e.V..

Insgesamt bleibt Rosatom durch zahlreiche Joint Ventures und Partnerschaften in den Bereichen Rückbau, Brennelementefertigung und Technologie indirekt in Deutschland präsent – trotz politischer und gesellschaftlicher Bemühungen, Russland von der europäischen Energiewirtschaft abzukoppeln.



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