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Der Kanal Telegram

Von Feierabend-Mitglied Freitag 29.07.2022, 12:21 – geändert Freitag 29.07.2022, 12:22

ist bekannt dafür, dass er ein Tummelplatz ist für Menschen mit rechter Gesinnung, auch für Russlangpropaganda. Aber offensichtlich auch bedeutend für den Austausch für Widerstand in Russland. Über den nur sehr wenig bis zu uns durchdringt. Interessant finde ich deshalb untenstehenden Artikel.

"Seit Beginn des Ukraine-Kriegs entgleisen in Russland immer wieder Güterzüge. Auch Militärzentren brennen. Eine Journalistin gibt Einblicke in die Protestbewegung gegen Putin.
Zahlreiche entgleiste Güterzüge und brennende Einberufungszentren des Militärs - immer wieder kommt es in Russland zu solchen Vorkommnissen. Zufall oder Sobatoge? Die russische Investigativ-Journalistin mit dem Pseudonym Alisa Zemlyanskaya ist sich sicher, dass die kaputten Schienen ein Zeichen von Protest sind. "Seit dem Einmarsch haben die Entgleisungen stark zugenommen: 40 Prozent im Vergleich zum vorherigen Jahr", erklärt sie bei ZDF heute live.

Die Journalistin, die anonym bleiben möchte, hat für das russischsprachige Online-Magazin "The Insider" Kontakt mit einigen der Aktivisten aufgenommen.

Mit dem Einmarsch haben sie verstanden, dass sie nichts zu verlieren haben. Man kann auch für einen Tweet in Gefängnis kommen.
Alisa Zemlyanskaya, Investigativ-Journalistin
Die Menschen, die sich an den Aktionen beteiligen, seien sehr verschieden und die wenigsten folgten einer bestimmten Ideologie. Lediglich dem anarchistisch-kommunistischen Bereich ließen sich einige zuordnen, erklärt die Journalistin.

Viele verschiedene Menschen schließen sich zu Protest zusammen
Dass Protestbewegungen in Diktaturen oft Sammlungsbewegungen sind, kann auch Russlandexperte Nico Lange bestätigen. Viele Menschen kämen zusammen, "die darin geeint sind, dass sie den Krieg gegen die Ukraine nicht wollen und dass sie das Repressionsregime von Putin ablehnen".

"Die Menschen sind überzeugt, der Krieg ist absolut unrechtmäßig und kann so nicht weiter gehen. Man greift zu den Maßnahmen, um Widerstand zu zeigen, dass nicht jeder damit einverstanden ist", sagt Alisa Zemlyanskaya. Legaler Protest in Russland sei kaum möglich, so Lange.

Wenn es keine Formen des Protests mehr gibt, der möglich ist, dann sucht er sich neue Wege.
Nico Lange, Russlandexperte
Lange weiter: "Ich würde viele der Anschläge gegen Einberufungszentren oder Bahngleise darin einordnen, dass Leute, die nicht einverstanden sind, jetzt neue Wege des Protests suchen."

Wenig Kommunikation und Organisation schützen Aktivisten
Die meisten der Aktivisten hätten keine speziellen Kenntnisse und seien nicht geschult, berichtet Zemlyanskaya. "Jeder kann der Strömung beitreten." Sie seien sehr dezentral organisiert und hätten kaum Kontakt miteinander, nur einige über Telegram, so Zemlyanskaya. Das sei ein Vorteil.

Dank der Dezentralisierung sind sie besser geschützt, sie können mehr Leute anwerben.
Alisa Zemlyanskaya, Investigativ-Journalistin
Russlandexperten Lange ist der Meinung, dass Telegram eine wichtige Rolle bei der Vernetzung von Menschen spiele, die gegen Putin sind. "Vieles, sowohl Pro-Putin-Propaganda in der Berichterstattung über den Krieg, aber auch die Organisation der Proteste in Russland findet auf Telegram statt."

Man dürfe laut Lange die Russen nicht unterschätzen, "wenn man sieht, wie stark die Nutzung von VPN-Netzwerken gestiegen ist, seit die Zensur in Russland zugeschlagen hat. Man kann davon ausgehen, dass sehr viele heimlich still und leise mitbekommen, was tatsächlich passiert."

Lange vermutet, dass Telegram der Kanal ist, "wo die meisten Russen ungefilterte Informationen kriegen über den Krieg in der Ukraine, die Grausamkeiten, die dort verübt werden, und über das, was wirklich passiert."

Journalistin: Behörden spielen Vorfälle runter
Die Brandanschläge auf Militärzentren gingen eher von radikal-nationalistischen Bewegungen aus, berichtet Alisa Zemlyanskaya. Sie hätten beispielsweise schon Kenntnisse, wie man Molotowcocktails baut. "Aber es haben sich auch Menschen beteiligt, die überhaupt keinen Bezug zu Ideologie haben". Es gebe wenige Menschen, die zur Armee wollen.

Die Menschen wollen nicht einberufen werden.
Alisa Zemlyanskaya, Investigativ-Journalistin
Die Polizeibehörden melden laut Zemlyanskaya die Vorfälle, so konnte sie die steigende Zahl feststellen. Aber sonst berichteten die russischen Behörden wenig über die Vorfälle. Meistens gebe es dann nur die Information, dass etwas passiert sei, oder die Entgleisungen werden damit begründet, dass die Schienen zu heiß geworden seien, so die Journalisten.

www.zdf.de/ ... /russland-sabotage-schienen-protest-widerstand-ukraine-krieg-100.html
(Im Artikel sind noch Videos eingebettet.)

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