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Der hybride Angriffskrieg nicht nur gegen Ukraine

Von Feierabend-Mitglied Samstag 29.03.2025, 13:12

wird nur allzu gerne verschwiegen oder relativiert, runtergespielt.


"Hybride Kriegsführung
Sabotage, Propaganda und Mordversuche: Russische Nadelstiche gegen Europa
Ein Überblick über Methoden, mit denen der Kreml seit dem Überfall auf die Ukraine Krieg abseits der Front führt

Sabotage, Brandstiftung, Vandalismus, Bombenattentate

Die Liste ist lang, hier einige Ausschnitte: In Estland wurden Bojen entfernt, die die Grenzlinie im Grenzfluss abstecken und so ein versehentliches Übertreten verhindern. In der Ostsee wurden Unterseekabel zerstört. Im lettischen Riga erfolgte ein Brandanschlag auf das Okkupationsmuseum, das an die Besetzungen durch Nazis und Sowjets erinnert. In Prag und Paris gab es Angriffe auf die Schieneninfrastruktur. In einem DHL-Verteilerzentrum fingen Päckchen Feuer, die das in Fliegern hätten tun sollen. In Paris hatte ein im besetzten Donbass lebender russischsprachiger Ukrainer geplant, eine Bombe am Flughafen Charles de Gaulle zu platzieren.

Wahlbeeinflussung
Rumänien, Deutschland, Großbritannien und mehr?
Als im Dezember 2024 die erste Runde der rumänischen Präsidentschaftswahl wegen eines "aggressiven russischen hybriden Angriffes" annulliert wurde, hörten viele europäische Politikerinnen und Politiker erstmals jene Sirenen, die schon länger laut schrillten. Rechtsextremist und Kreml-Freund Călin Georgescu profitierte nach Ansinnen der Richter von einer illegalen Unterstützungskampagne Russlands auf Tiktok. Er darf bei der Wahlwiederholung im Mai nicht mehr antreten. Deutsch-tschechische Ermittlungen nährten zudem den Verdacht von Geldflüssen an rechte Parteien in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Frankreich, Ungarn und Polen. Auch die Bundestagswahl 2025 und die britischen Unterhauswahlen 2024 sahen russische Einflussversuche.

Cyberattacken
Angriffe gegen Ministerien, Beamte und Politiker
Bereits 2023 sprach das britische Außenministerium von einer "anhaltenden und dauerhaften, jedoch erfolglosen" Cyberoperation Moskaus gegen demokratische Institutionen in London sowie hochrangige Politiker wie Beamte. Als hauptverantwortlich galt Russlands Inlandsgeheimdienst FSB, dessen fünfte Abteilung auch internationale Operationen ausführt und über erhebliche Cyberkapazitäten verfügt. Sie gilt auch als Drahtzieherin hinter dem Cyberangriff auf Österreichs Außenministerium 2020. Die "Drecksarbeit" würden dennoch meist kleinere Subfirmen machen, sagen die Briten. Mitglieder der Gruppe "Star Blizzard" wurden sanktioniert. Hinter den Angriffen auf die SPD-Zentrale im Juni 2023 sah Berlin den Kreml-Militärgeheimdienst GRU.

Desinformation
Kreml-Propaganda wird on- und offline reproduziert
Russische Propaganda funktioniert online wie offline, offiziell wie inoffiziell. So verbreitete etwa die russische Botschaft in Madrid ein Video, in dem fälschlicherweise behauptet wurde, dass spanische Truppen in der Ukraine kämpfen. Radikaler ging man in Paris vor, wo Särge in die französische Flagge eingewickelt und neben dem Eiffelturm platziert wurden, um zu suggerieren, dass offizielle französische Soldaten aufseiten der Ukraine kämpfen würden. Eine Bettwanzenplage, eingeschleust durch ukrainische Flüchtlinge, beschäftigte Paris ein Jahr vor Olympia 2024. Verfassungsschützer gingen auch hier davon aus: Fake News mit Ursprung in Russland. Und bei der in Russland kreierten Operation Doppelgänger wurden hunderte deutsch-, französisch- oder englischsprachige Nachrichtenseiten etablierter Medien wie Spiegel, Le Monde oder The Guardian nachgebaut, mit Fake News befüllt und anschließend via soziale Medien verbreitet.

Spionage
Europa reagierte mit hunderten Ausweisungen
Über 600 russische Diplomatinnen und Diplomaten wurden unmittelbar nach der Vollinvasion der Ukraine 2022 aus der EU ausgewiesen. Etliche von ihnen spionierten für russische Geheimdienste. Polen überführte regelmäßig Personen der Spionage für Russland. Ziele waren vor allem die Waffenlieferrouten in die Ukraine. In Deutschland wurden mehrere Männer verhaftet, weil sie US-Militäreinrichtungen ausspähten. 3,5 Jahre Haft kassierte der deutsche Soldat Thomas H. für Spionage für Russland. Und auch in Österreich bespitzelte ein Ring bulgarischer Agenten im Auftrag des mutmaßlich für Kreml-Geheimdienste arbeitenden Ex-Wirecard-Vorstandsmitglieds Jan Marsalek Journalisten und brach in Wohnungen ein.

Tötungsversuche
Präsident Selenskyj und der Rheinmetall-Chef im Visier
Im Juli 2024 sorgte ein CNN-Bericht für viel Aufsehen: Armin Papperger, CEO des einflussreichen deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, hätte Opfer eines russischen Attentats werden sollen. Das Mordkomplott sei rechtzeitig vereitelt worden. Auch hier würde der Kreml kriminelle Gangs anheuern, um sich nicht selber die Hände schmutzig zu machen. In Polen wurde im April 2024 ein Mann festgenommen, der in Vorbereitung eines Anschlags auf Wolodymyr Selenskyj, den Präsidenten der Ukraine, den Flughafen Rzeszów ausspionierte. Und Chats zwischen Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek und einem weiteren russischen Spion legten offen, dass der Kreml einen Mord am Investigativjournalisten Christo Grozev überlegte.

Migration
Geflüchtete als Spielball an den EU-Außengrenzen
Um letztlich Stimmung gegen Migration und Stimmung für extrem rechte Parteien zu machen, karrte Russland und sein getreuer Verbündeter Belarus immer wieder Flüchtende an die EU-Außengrenzen von Finnland, Estland, Lettland, Litauen oder Polen. Europa reagierte mit Abschottung durch Grenzzäune und stark überwachte Grenzen, was etwa bei der Länge der finnischen Grenze besonders schwierig ist. (Fabian Sommavilla, 29.3.2025)


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