»Erzwungene Flexibilisierung und mehr Druck am Arbeitsplatz wirken sich auf die Stimmung der Menschen aus. Merz‘ Kurs befördert einen Alltag, der vom neoliberalen Muster der Selbstbehauptung geprägt ist.
Die Ferienzeit geht dem Ende entgegen und die meisten Leute machen wieder das, was unser politisches Personal parteiübergreifend am meisten liebt: „früh aufstehen und hart arbeiten“.
„Wer hart arbeitet, verdient Respekt“, so die Version von Bundeskanzler Friedrich Merz. Fragt sich nur, was das konkret bedeutet für Menschen, die täglich Druck und Stress im Job spüren. Und was ein falsch verstandenes Arbeitsethos mit der Gesellschaft macht.
In Griechenland lässt sich aktuell beobachten, was es mit dem „Respekt“ auf sich hat. Bis zu 13 Stunden soll dort ein Arbeitstag offiziell dauern dürfen (wenn auch „nur“ bis zu 37-mal im Jahr), die Möglichkeit einer Sechs-Tage-Woche gilt schon seit 2024. Die Regierung in Athen ist der Merz-CDU politisch nahe verwandt.
Schon die Sechs-Tage-Woche hatte der damals zuständige Minister dort nicht nur mit dem Arbeitskräftemangel in vielen Bereichen, etwa dem Tourismus, begründet. Ohne Umschweife führte er auch an, dass Menschen oft zu wenig verdienen, um mit einem 40-Stunden-Job klarzukommen. Auf gut Deutsch: Weil die Leute mit Niedriglohn abgespeist werden, müssen sie halt mehr schuften. Offiziell übrigens in „freiwilliger“ Vereinbarung mit dem Unternehmen. Aber was ist das für eine Freiwilligkeit, wenn ich das Geld dringend brauche? Wer traut sich in solcher Lage, sich den Unternehmensinteressen entgegenzustellen und Nein zur „freiwilligen“ Mehrarbeit zu sagen?
So weit sind wir in Deutschland nicht, und noch springt der Staat anders als in Griechenland über das Bürgergeld ein, wenn Unternehmen nicht einmal das Existenzminimum bezahlen. Aber seit Friedrich Merz im Amt ist, besteht kein Zweifel mehr: Den „Respekt“ dieser Regierung sollen sich die abhängig Beschäftigten durch mehr Arbeit verdienen.
„Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“, hat der Kanzler gleich nach seinem Amtsantritt vor dem CDU-nahen Wirtschaftsrat verkündet. Es darf davon ausgegangen werden, dass er mit „wir“ nicht nur sich selbst und die anwesenden „Unternehmerpersönlichkeiten“ (O-Ton Wirtschaftsrat) meinte, sondern vor allem die abhängig Beschäftigten. In zynischer Verhöhnung zweier Begriffe, die für den Kampf um humane Arbeitsverhältnisse stehen, fügte Merz hinzu: „Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können“.
Der CDU-Chef hätte auch ergänzen können: Da wir Geflüchtete am Arbeiten hindern und Menschen abschieben, die teils hier schon einen Job haben, müssen halt die Alteingesessenen mehr schuften.
Bei populistischen Kanzlersprüchen wird es wahrscheinlich nicht bleiben. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist das Ziel festgeschrieben, den gesetzlich garantierten Acht-Stunden-Tag – eine historische Errungenschaft der Arbeiterbewegung – durch eine Wochenarbeitszeit von maximal 48 Stunden zu ersetzen. Auch jetzt gibt es von der Acht-Stunden-Grenze Ausnahmen. Würde sie aber ganz gestrichen, dann wäre nach europäischem Recht auch in Deutschland möglich, was Griechenland gerade einführt: Arbeitstage von 13 Stunden minus vorgeschriebener Ruhepause. „Flexibler“, so nennen das die Unternehmerverbände und ihnen nahestehende Parteien. Wer sich da in wessen Interesse zu flexibilisieren hat, ist nicht schwer zu erraten.
Natürlich kann Arbeit etwas Bereicherndes, Befriedigendes sein. Wenn ihr Inhalt den eigenen Bedürfnissen entspricht, sowieso. Und grundsätzlich kann das Gefühl, gemeinsam mit anderen etwas zu „erwirtschaften“ und dabei den eigenen Lebensunterhalt zu sichern, zu einem gelingenden Leben beitragen.
Auf der anderen Seite aber, das zeigen Statistiken, nehmen Stress und Burn-Out-Risiko seit Jahren zu. Das hat viele Gründe, etwa den Mangel an Personal. Zumindest bei Frauen aber lässt sich nachweisen, dass Burn-Out-Symptome bei längerer Arbeitszeit häufiger werden – wohl nicht zuletzt deshalb, weil sie mit Care-Arbeit, also vor allem Kinderbetreuung, immer noch stärker zusätzlich belastet sind als Männer.ֿ«
………….
Es hat gerne übersehene Auswirkungen, wenn wegen einer Ideologie, die an so gerne anderen vorwirft, den bequemen Weg des geringsten Widerstand geht.
Durch Spendenzufluss rentiert sich das sogar. Den Vorwurf käuflich zu sein steckt man weg. Denn so machen es doch alle. Und die über den Tisch gezogenen Bürger? Die Deppen wählen uns doch trotzdem.
Unser Kanzler weiß genau, nach wessen Noten er singt und wer dafür bezahlen muss. Denn der Notenschreiber will ja bezahlt werden.
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»Erzwungene Flexibilisierung und mehr Druck am Arbeitsplatz wirken sich auf die Stimmung der Menschen aus. Merz‘ Kurs befördert einen Alltag, der vom neoliberalen Muster der Selbstbehauptung geprägt ist.
Die Ferienzeit geht dem Ende entgegen und die meisten Leute machen wieder das, was unser politisches Personal parteiübergreifend am meisten liebt: „früh aufstehen und hart arbeiten“.
„Wer hart arbeitet, verdient Respekt“, so die Version von Bundeskanzler Friedrich Merz. Fragt sich nur, was das konkret bedeutet für Menschen, die täglich Druck und Stress im Job spüren. Und was ein falsch verstandenes Arbeitsethos mit der Gesellschaft macht.
In Griechenland lässt sich aktuell beobachten, was es mit dem „Respekt“ auf sich hat. Bis zu 13 Stunden soll dort ein Arbeitstag offiziell dauern dürfen (wenn auch „nur“ bis zu 37-mal im Jahr), die Möglichkeit einer Sechs-Tage-Woche gilt schon seit 2024. Die Regierung in Athen ist der Merz-CDU politisch nahe verwandt.
Schon die Sechs-Tage-Woche hatte der damals zuständige Minister dort nicht nur mit dem Arbeitskräftemangel in vielen Bereichen, etwa dem Tourismus, begründet. Ohne Umschweife führte er auch an, dass Menschen oft zu wenig verdienen, um mit einem 40-Stunden-Job klarzukommen. Auf gut Deutsch: Weil die Leute mit Niedriglohn abgespeist werden, müssen sie halt mehr schuften. Offiziell übrigens in „freiwilliger“ Vereinbarung mit dem Unternehmen. Aber was ist das für eine Freiwilligkeit, wenn ich das Geld dringend brauche? Wer traut sich in solcher Lage, sich den Unternehmensinteressen entgegenzustellen und Nein zur „freiwilligen“ Mehrarbeit zu sagen?
So weit sind wir in Deutschland nicht, und noch springt der Staat anders als in Griechenland über das Bürgergeld ein, wenn Unternehmen nicht einmal das Existenzminimum bezahlen. Aber seit Friedrich Merz im Amt ist, besteht kein Zweifel mehr: Den „Respekt“ dieser Regierung sollen sich die abhängig Beschäftigten durch mehr Arbeit verdienen.
„Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“, hat der Kanzler gleich nach seinem Amtsantritt vor dem CDU-nahen Wirtschaftsrat verkündet. Es darf davon ausgegangen werden, dass er mit „wir“ nicht nur sich selbst und die anwesenden „Unternehmerpersönlichkeiten“ (O-Ton Wirtschaftsrat) meinte, sondern vor allem die abhängig Beschäftigten. In zynischer Verhöhnung zweier Begriffe, die für den Kampf um humane Arbeitsverhältnisse stehen, fügte Merz hinzu: „Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können“.
Der CDU-Chef hätte auch ergänzen können: Da wir Geflüchtete am Arbeiten hindern und Menschen abschieben, die teils hier schon einen Job haben, müssen halt die Alteingesessenen mehr schuften.
Bei populistischen Kanzlersprüchen wird es wahrscheinlich nicht bleiben. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist das Ziel festgeschrieben, den gesetzlich garantierten Acht-Stunden-Tag – eine historische Errungenschaft der Arbeiterbewegung – durch eine Wochenarbeitszeit von maximal 48 Stunden zu ersetzen. Auch jetzt gibt es von der Acht-Stunden-Grenze Ausnahmen. Würde sie aber ganz gestrichen, dann wäre nach europäischem Recht auch in Deutschland möglich, was Griechenland gerade einführt: Arbeitstage von 13 Stunden minus vorgeschriebener Ruhepause. „Flexibler“, so nennen das die Unternehmerverbände und ihnen nahestehende Parteien. Wer sich da in wessen Interesse zu flexibilisieren hat, ist nicht schwer zu erraten.
Natürlich kann Arbeit etwas Bereicherndes, Befriedigendes sein. Wenn ihr Inhalt den eigenen Bedürfnissen entspricht, sowieso. Und grundsätzlich kann das Gefühl, gemeinsam mit anderen etwas zu „erwirtschaften“ und dabei den eigenen Lebensunterhalt zu sichern, zu einem gelingenden Leben beitragen.
Auf der anderen Seite aber, das zeigen Statistiken, nehmen Stress und Burn-Out-Risiko seit Jahren zu. Das hat viele Gründe, etwa den Mangel an Personal. Zumindest bei Frauen aber lässt sich nachweisen, dass Burn-Out-Symptome bei längerer Arbeitszeit häufiger werden – wohl nicht zuletzt deshalb, weil sie mit Care-Arbeit, also vor allem Kinderbetreuung, immer noch stärker zusätzlich belastet sind als Männer.ֿ«
………….
Es hat gerne übersehene Auswirkungen, wenn wegen einer Ideologie, die an so gerne anderen vorwirft, den bequemen Weg des geringsten Widerstand geht.
Durch Spendenzufluss rentiert sich das sogar. Den Vorwurf käuflich zu sein steckt man weg. Denn so machen es doch alle. Und die über den Tisch gezogenen Bürger? Die Deppen wählen uns doch trotzdem.
Unser Kanzler weiß genau, nach wessen Noten er singt und wer dafür bezahlen muss. Denn der Notenschreiber will ja bezahlt werden.
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