Die Krawallmacher wollen nun für Stabilität stehen
Das ist ja mal was ganz Neues: Die CSU hat für sich eine Rolle in der Bundespolitik entdeckt, die stark abweicht vom Auftreten der vergangenen Jahre. Die einstigen Chef-Krawallmacher sehen sich als „Stabilitätsanker“ der schwarz-roten Koalition in Berlin.
Die Schwesterpartei der CDU, die so sehr auf ihre Eigenständigkeit bedacht ist, erkennt damit ganz gut, was nicht nur die Regierung, sondern auch das Land dringend braucht: Verlässlichkeit und den Eindruck, dass inmitten der Unberechenbarkeit aus Kriegen, Wirtschaftskrise, Trumpschen Übergriffen und dem Vormarsch von Demokratiefeinden schon jemand den Überblick behält und das Schwanken ausgleichen kann.
Herumschreien hilft wenig, wenn es stürmt – und wenn man einfach anderen die Schuld gibt, dass man selbst sein Schiff nicht steuern kann, wird es kentern. Lange hatte sich Söders CSU dennoch auf diese Strategie verlegt.
Während der Regierungsjahre von Angela Merkel fuhren sie so grobe Attacken gegen die CDU, dass die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag zu scheitern drohte. Und Armin Laschet scheiterte 2021 als Kanzlerkandidat nicht nur an einem fehlplatzierten Lachen im Ahrtal, sondern vor allem auch am Gemopper der CSU.
Söder sagt jetzt, gegenüber Populisten dürfe man nicht einfach nur auf Lautstärke setzen. Schön, dass diese Erkenntnis nun – vorerst – bis an die CSU-Spitze durchgedrungen ist.
Tatsächlich war in den großen Konflikten der Koalition von Richterwahl bis Rentenpaket weniger die CSU das Problem als die CDU.
Es wird sich zeigen, wie lange das hält. Ob Söders Ankündigung, man könne ruhig mal ein paar Prozent in Umfragen einbüßen, wenn die Politik richtig sei, gegen die Nervosität der Partei bestehen kann. Vor allem Söder ist geradezu berüchtigt dafür, seine Positionierung je nach Windrichtung beliebig zu verändern.
Zur Wahrheit gehört: Ihren Wechsel ins Seriösere hängt nicht unwesentlich damit zusammen, dass die CSU in der Koalition bisher fast alles bekommen hat, was sie wollte – ganz unabhängig vom Preisschild. Sparhaushalt hin oder her. Die Koalition beschloss Milliarden-Ausgaben für Agrardiesel-Subventionen und Mütterrente. Die rechtlich zweifelhafte Ankündigung, Asylsuchende an der Grenze zurückzuweisen, blieb in der Regierung quasi unwidersprochen.
Als neues Projekt hat sich die CSU ein Vorziehen der Unternehmenssteuerreform ins Körbchen gelegt. Und in seine Lobeshymnen an Kanzler Merz flocht Söder die Erinnerung, dass er auch anders kann: Die Abschwächung des Verbrenner-Aus durch die EU, von Merz als Erfolg gefeiert, sei nur eine Scheinlösung. Richtig fest im Grund verankert ist der Stabilitätsanker CSU wohl nicht.
Frankfurter Rundschau 9.1.2026
Es war die AfD, die die Regierung vor sich hertreiben wollte und die Union zeigt, dass das auch geschieht.
Aber da gibt es noch einen, der mit ganz dicken Backen das Regierungsschiff in seine gewünschte Richtung bläst.
Jetzt will er der Stabilitätsanker in der wilden See sein. Aber er zeigt auch feixend, dass er immer noch der Alte ist.
Söder ähnelt in seinem „einnehmenden“ Wesen einem gewissen Herrn in der Ukraine. Für jede Situation die passende Melodie.
Die Krawallmacher wollen nun für Stabilität stehen
Das ist ja mal was ganz Neues: Die CSU hat für sich eine Rolle in der Bundespolitik entdeckt, die stark abweicht vom Auftreten der vergangenen Jahre. Die einstigen Chef-Krawallmacher sehen sich als „Stabilitätsanker“ der schwarz-roten Koalition in Berlin.
Die Schwesterpartei der CDU, die so sehr auf ihre Eigenständigkeit bedacht ist, erkennt damit ganz gut, was nicht nur die Regierung, sondern auch das Land dringend braucht: Verlässlichkeit und den Eindruck, dass inmitten der Unberechenbarkeit aus Kriegen, Wirtschaftskrise, Trumpschen Übergriffen und dem Vormarsch von Demokratiefeinden schon jemand den Überblick behält und das Schwanken ausgleichen kann.
Herumschreien hilft wenig, wenn es stürmt – und wenn man einfach anderen die Schuld gibt, dass man selbst sein Schiff nicht steuern kann, wird es kentern. Lange hatte sich Söders CSU dennoch auf diese Strategie verlegt.
Während der Regierungsjahre von Angela Merkel fuhren sie so grobe Attacken gegen die CDU, dass die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag zu scheitern drohte. Und Armin Laschet scheiterte 2021 als Kanzlerkandidat nicht nur an einem fehlplatzierten Lachen im Ahrtal, sondern vor allem auch am Gemopper der CSU.
Söder sagt jetzt, gegenüber Populisten dürfe man nicht einfach nur auf Lautstärke setzen. Schön, dass diese Erkenntnis nun – vorerst – bis an die CSU-Spitze durchgedrungen ist.
Tatsächlich war in den großen Konflikten der Koalition von Richterwahl bis Rentenpaket weniger die CSU das Problem als die CDU.
Es wird sich zeigen, wie lange das hält. Ob Söders Ankündigung, man könne ruhig mal ein paar Prozent in Umfragen einbüßen, wenn die Politik richtig sei, gegen die Nervosität der Partei bestehen kann. Vor allem Söder ist geradezu berüchtigt dafür, seine Positionierung je nach Windrichtung beliebig zu verändern.
Zur Wahrheit gehört: Ihren Wechsel ins Seriösere hängt nicht unwesentlich damit zusammen, dass die CSU in der Koalition bisher fast alles bekommen hat, was sie wollte – ganz unabhängig vom Preisschild. Sparhaushalt hin oder her. Die Koalition beschloss Milliarden-Ausgaben für Agrardiesel-Subventionen und Mütterrente. Die rechtlich zweifelhafte Ankündigung, Asylsuchende an der Grenze zurückzuweisen, blieb in der Regierung quasi unwidersprochen.
Als neues Projekt hat sich die CSU ein Vorziehen der Unternehmenssteuerreform ins Körbchen gelegt. Und in seine Lobeshymnen an Kanzler Merz flocht Söder die Erinnerung, dass er auch anders kann: Die Abschwächung des Verbrenner-Aus durch die EU, von Merz als Erfolg gefeiert, sei nur eine Scheinlösung. Richtig fest im Grund verankert ist der Stabilitätsanker CSU wohl nicht.
Frankfurter Rundschau 9.1.2026
Es war die AfD, die die Regierung vor sich hertreiben wollte und die Union zeigt, dass das auch geschieht.
Aber da gibt es noch einen, der mit ganz dicken Backen das Regierungsschiff in seine gewünschte Richtung bläst.
Jetzt will er der Stabilitätsanker in der wilden See sein. Aber er zeigt auch feixend, dass er immer noch der Alte ist.
Söder ähnelt in seinem „einnehmenden“ Wesen einem gewissen Herrn in der Ukraine. Für jede Situation die passende Melodie.