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Corona war das Training für den Krieg

Von Harvey11 13.07.2025, 12:35 – geändert 13.07.2025, 12:43

Stabsärzte und Gesundheitsminister stimmen das Land auf den Kriegsfall und die Versorgung von 1.000 verwundete Soldaten täglich ein

Beim Hauptstadtkongress Gesundheit schwor Generalstabsarzt Johannes Backus kürzlich auf den „Ernstfall“ ein: „Sind wir medizinisch kriegstüchtig?“ „Raus aus dem Dornröschenschlaf“, hatte Generaloberstabsarzt Ralf Hoffmann zuvor die Besucher eines Bundeswehr-Symposiums zum Thema „Gesundheitsversorgung in der Landesverteidigung“ begrüßt. Deutschland müsse aufwachen, meinte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) bereits im März.
Das Gesundheitssystem gerät in den Fokus der allgemeinen Militarisierung der Gesellschaft. Kongresse und Fachzeitschriften befassen sich mit der Frage, wie Krankenhäuser, Ärzteschaft und medizinisches Personal gerüstet sind, wenn Phase vier eintritt, wie sie der weitgehend unter Verschluss gehaltene „Operationsplan Deutschland“ (OPLAN DEU) vorsieht. Deutschland wäre im Bündnisfall Aufmarschgebiet für NATO-Truppen und Drehscheibe für verletzte Soldaten. Dann wäre die Bundeswehr auf „maximale zivile Unterstützung“ angewiesen, so der OPLAN DEU. Das betrifft nicht nur Logistik und Energieversorgung, sondern eben auch den Gesundheitssektor.
Die uniformierten Referenten, die das zivile Tagungsgeschehen infiltrieren, greifen stets auf die gleichen Blaupausen zurück. Skizziert wird die Ausgangslage als „hybride Bedrohung“ (Phase I, Cyberangriffe), die Deutschland destabilisieren und seine „Resilienz weichmachen soll“, so Backus. Im Krisenfall stünden die fünf Bundeswehrkrankenhäuser und de neun auf Katastrophenmedizin ausgerichteten berufsgenossenschaftlichen Kliniken zur Verfügung. Deren Kapazität sei aber in wenigen Tagen erschöpft, wenn – diese Zahl geistert durch jede einschlägige Rede und jeden Artikel – täglich 1.000 verwundete Soldaten versorgt werden müssten. Dabei sind verletzte Zivilisten gar nicht berücksichtigt.
Generaloberstabsarzt Hoffmann bereitet die Ärzteschaft darauf vor, sich und Verletzte an der Front möglicherweise mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Und wir wäre die in der Corona-Pandemie bekannt gewordene „Triage“ zu regeln? Wer wird vorrangig versorgt, wenn es um die Einsatzfähigkeit von Soldaten geht?
Die Pandemie, zeigt sich im Nachhinein, fungierte als Trainingslager für den militärischen Ernstfall. Das noch von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf den Weg gebrachte Gesundheitssicherstellungsgesetz war eine Reaktion darauf, blieb nach dem Ampel-Aus aber auf der Strecke.
Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach fordert ein bundesweites Programm zur Vorbereitung der medizinischen Versorgung auf den Kriegsfall: „Wir müssen vor allem mutige Entscheidungen treffen – auch worauf in Mangellagen verzichtet werden kann“. Darunter „die Einhaltung von Personalvorgaben“. Pflegekräfte dürften da hellhörig werden. Bayerns Regierung hat Kliniken bereits um Auskunft über den Stand ihrer Alarm- und Einsatzplanung gebeten. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), forderte der scheidende Chef des Berliner Unfallkrankenhauses, Axel Ekkernkamp, sollte das Sicherstellungsgesetz endlich zur Chefsache machen.
Ein Sicherstellungsgesetz kann im „Spannungsfall“ mit Grundrechtseinschränkungen einhergehen, etwa in Form von Dienstverpflichtungen, wenn das Reservoir der „Freiwilligen“ erschöpft ist, oder mit der Einschränkung der Versorgung von Zivilisten. Wie schnell das geht, haben wir in der Pandemie erlebt. Vielleicht muss man den kaum mehr aufzuhaltenden Krankenhausumbau – bei dem es um Zentralisierung und Spezialisierung geht – und die anstehende Reform der Notfall- und Rettungsdienste nicht nur unter dem Aspekt von Einsparungen betrachten, sondern auch dem der militärischen Vorbereitung. Die unablässige Beschwörung des Bündnis- und Verteidigungsfalls produziert ihn schon als Tatsache.
Der Freitag, 010.7.2025

Das Gesundheitssystem gerät in den Fokus. Aber nicht wegen seinem Zustand, sondern wegen dem geplanten Krieg.
Wie viele müssen öfters die Hose wechseln, weil sie vor Freude ihr Wasser nicht mehr halten können.
Wer das liest wird feststellen, dass es dabei nicht um Zivilisten geht. Deren Verluste sind fest eingeplant.
Generaloberstabsarzt Hoffmann bereitet die Ärzteschaft darauf vor, sich und Verletzte an der Front möglicherweise mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Das bedeutet: Roters Kreuz am Arm, trotzdem kämpfen und Bomben auf Krankenhäuser.
Und auf Zivilsten kann verzichtet werden.

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