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Brutale Rekorde im Luftkrieg

Von Harvey11 Mittwoch 28.05.2025, 12:14

Brutale Rekorde im Luftkrieg
Von Dmytro Durnjew, Frankfurter Rundschau

Die russischen Drohnen- und Raketenangriffe auf die Ukraine brechen derzeitig zahlenmäßig alle Rekorde. Aber Moskau empört sich über ein paar westliche Geschosse, von denen Kiew gerne mehr hätte

Ukrainische Ingenieure sollen in den Resten einer russischen „Shahed“-Kampfdrohne eine Aufzeichnung gefunden haben, offenbar von einem mitfühlenden russischen Kollegen, so der britische „Economist“. Demnach wollte der Autor vor einer neuen Technologie zur Steuerung der in iranischer Lizenz gebauten „Shahed“ warnen. Diese würden ihren Leitzentralen Daten und Videos durch Telegram-Bots liefern, was es erlaubte, ihre Flugbahn zu korrigieren.
Der Luftkrieg über der Ukraine eskaliert wieder. In der Nacht auf den 24. Mai meldete die ukrainische Luftabwehr Angriffe von insgesamt 250 Fernkampfdrohnen und 14 „Iskander“-Raketen, tags darauf waren es 298 Drohnen, 55 Marschflugkörper sowie 14 Raketen – laut dem US-amerikanischen Institute for the Study of War der größte kombinierte Luftangriff während des gesamten Kriegs. Laut BBC kamen mindestens 13 Menschen ums Leben. Und in der Nacht auf den 26. Mai flogen außer neun Marschflugkörpern 355 Kampfdrohnen an.
„Russland lässt Höllenfeuer auf die Ukraine regnen“, titelt der „Economist“. Wie das Journal schreibt, arbeiten die Russen daran, die Tagesproduktion von zur Zeit 100 „Shahed“ auf 500 zu steigern, um ganze Angriffsschwärme in einer Nacht zu realisieren. Außerdem modernisieren sie die Steuersysteme mit den neuesten Modellen künstlicher Intelligenz, um die ukrainische Flugabwehr zu überlisten.
Der Kiewer Militärblogger Oleksandr Kowalenko aber wirft den britischen Medien Panikmache vor. Es sei unmöglich, die Drohnenproduktion so schnell hochzufahren, die russische Rüstungsindustrie stoße auch anderswo an ihre Grenzen: 2014 habe sie den Streitkräften 101 Kampfflugzeuge geliefert, 2024 dann 28, in den ersten fünf Monaten 2025 gerade noch acht. Und der Drohnenexperte Sergij Beskrestnow dementiert auf Telegram, dass „Shahed“ mit KI ausgestattet sind. Sie lieferten auch keine Videos. Ihre Daten würden tatsächlich mit Hilfe eingebauter Sim-Karten über einen Telegram-Bot übermittelt, aber via Telegram oder Mobilfunk könnten sie gar nicht gesteuert werden.
Jurij Ignat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, sagte dem Portal RBK Ukraina, die Russen hätten ihre Taktik wirklich geändert, ihre Drohnenschwärme flögen inzwischen in 2000 bis 5000 Meter Höhe, seien dadurch leichter durch Radar aufzuspüren, aber auch zu hoch für die Maschinengewehre der mobilen ukrainischen Drohnenjagdgruppen.
Die Ukrainer setzen deshalb vermehrt Hubschrauber, Kampfjets sowie leichte Raketenabwehrsysteme ein. Aber die haben nicht genug Munition laut Kowalenko. Und seit 2025 sei die Abschussrate der feindlichen Drohnen von 97 auf 82 Prozent gefallen. Das russische Drohnenarsenal scheint sich allerdings auch geleert zu haben. Nach Angaben der Ukrainer griffen in der Nacht auf Dienstag nur noch 60 Flugkörper an.
Das russische Verteidigungsministerium wiederum beschuldigte am Dienstag Kiew massenhafter Attacken mit Kampfdrohnen und Raketen westlicher Produktion, Frauen und Kinder seien dabei zu Schaden gekommen. Und man habe in einer Woche 1465 Drohnen außerhalb der Kampfzone abgefangen.
Tatsächlich mussten an den Vortagen Moskauer Flughäfen mehrfach wegen Drohnenalarms den Flugverkehr einstellen. Der russische Protest nun wirkt auch wie eine Antwort auf Bundeskanzler Friedrich Merz’ Erklärung, es gebe keine Reichweitenbeschränkung mehr für an die Ukraine gelieferte Raketen.
„Erklärungen sind gut“, kommentiert der ukrainische Präsidentenberater Michajlo Podoljak gegenüber dem YouTube-Kanal Breakfast Show. Aber die Aufhebung der Reichweitenbegrenzung wäre militärisch im Herbst 2023 aktuell gewesen. Diese Zeit ist sehr lange vorbei.
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Man kann sich jetzt an den großmäuligen Erfolgsmeldungen erfreuen oder sie verfluchen, je nach Geschmack.
Natürlich fordert Selenskyj schon vor seinem Abflug nach Berlin heute neue und harte Sanktionen gegen Russland. Und die von den USA, von Europa "und allen weltweit, die Frieden wollen".
Dazu sage ich mal nichts. Aufhorchen lässt der ukrainische Präsidentenberater Michajlo Podoljak. Der sagte: Erklärungen sind gut. Aber die Aufhebung der Reichweitenbegrenzung wäre militärisch im Herbst 2023 aktuell gewesen. Diese Zeit ist sehr lange vorbei.
Damit ist er dem Frieden näher als andere. Feuert ihn Selenskyj dafür? Er hat ja einen großen Verschleiß. Auch bei den höheren Rängen.

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