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Bildungspolitik, sind wir noch zu retten?

Von Feierabend.de Mitglied Bertrada Dienstag 19.09.2023, 11:41 – geändert Dienstag 19.09.2023, 13:49

Was mich immer wieder umtreibt ist die Bildungspolitik in diesem Land.

Will man einen Staat zukunftsfähig machen, muss man bei den Kindern anfangen. Aber taugt unser Bildungssystem für die Zukunft?
Frontalunterricht ist immer noch die Norm an deutschen Schulen, wie schon vor hunderten von Jahren. Ist das noch zeitgemäß?

Eine Schule in Baden-Württemberg zeigt, dass es auch anders geht. Die Alemannenschule in Wutösching. Ich sah neulich einen Bericht darüber im Fernsehen und war absolut begeistert.

In dieser Schule gibt es keine Klassenzimmer, keine Lehrbücher, keine Lehrer sondern Lernbegleiter, keine Hausaufgaben. Jeder Schüler lernt in seinem eigenen Tempo. Der Schüler bestimmt, wann er bereit ist für einen Test, der hier nicht mehr Test heißt. Das Lernen basiert hier auf Eigenverantwortung und gegenseitiger Hilfe. Benotungen gibt es nicht, dafür gibt es Ränge die die Schüler aufsteigen können. Je höher der Rang, desto mehr (Lern)freiheiten. Das bedeutet das Lernen von zu Hause aus oder auch den Schlüssel zur Schule zu bekommen um dort außerhalb der Schulzeit lernen oder auch dort übernachten zu können.
Jeder Schüler hat einen Lehrplan und ein Lehrtagebuch, was er eigenständig führen muss. Gelernt wird hier mittels Tablet und einer dazu gehörenden Lernplattform.
Lehrer (Lernbegleiter) verstehen sich hier als Mentoren. Jeder Lehrer betreut 11 bis 14 Schüler incl. engen Kontakt zu den Eltern. Jetzt wird jeder sagen, dass wenn in einer Normal-Schule die Klassenstärke 11-14 Schüler betragen würde, hätten wir die Probleme nicht. Das stimmt aber nur zum Teil. Ich denke schon, dass Schüler eine feste Vertrauensperson brauchen, die ihnen zur Verfügung steht, wenn es notwendig ist. Und genau das leistet unsere Normal-Schule nicht. Der Lehrerberuf muss damit einhergehend natürlich auch ganz anders definiert werden. Und ich meine, er würde dadurch auch wieder wesentlich attraktiver.
Grundschulklassen gibt es an der Schule noch nicht. Daran wird gearbeitet. Von Kindern in dieser Altersklasse kann selbstständiges Lernen noch nicht, oder nur in einem geringeren Maße, erwartet werden.
Die Nachmittage gehören zu großen Teilen der außerschulischen Arbeit, also Lernen durch Erfahrung. Hierfür hat die Schule Kooperationspartner gewinnen können.

Die Schule hat bereits mehrere Preise gewonnen. Laut der Schulwebsite kommen Delegationen aus der ganzen Welt um sich diese Art der Schule anzusehen. Termine sind mittlerweile bis Ende 2025 ausgebucht.

Das Ganze nenne ich mal eine Leuchtturmschule. Ich hoffe, dass dieser Leuchtturm mal unser gesamtes Schulsystem überstrahlen wird.
Das die FDP bei den diesjährigen Haushaltsverhandlungen den Bildungs- und Familienetat zusammenstreichen wird, ist ein derart eklatanter Fehler.
Wen wundern da noch die Zuwächse bei der AfD.

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