Von Harvey11
Freitag 16.01.2026, 12:26 – geändert Freitag 16.01.2026, 12:30
Trump fordert von der venezolanischen Oppositionsführerin Machado die Osloer Ehrung für sich. In Caracas suchen die alten Mächte Anschluss an die internationale Gemeinschaft
Die neue chavistische Führung in Venezuela sendet Zeichen einer Öffnung, macht Schritte der Normalisierung der Beziehungen zu westlichen Staaten und lockert die Repression gegen Andersdenkende und Medien. Präsidentin Delcy Rodríguez wandte sich am Mittwoch erstmals an die Presse und sagte, dass inzwischen 406 Häftlinge freigelassen worden seien.
Bei der Mehrheit handelt es sich um politische Gefangene. Der gestürzte Präsident Nicolás Maduro habe bereits im Dezember die Freilassungen eingeleitet. Das gehe nun weiter, um „Raum für Verständigung und Toleranz zu schaffen”, erklärte Rodríguez im Präsidentenpalast Miraflores. „Venezuela öffnet sich einer neuen politischen Ära, die Verständnis trotz unterschiedlicher politischer und ideologischer Ansichten ermöglicht”. Flankiert wurde Rodríguez vom mächtigen Innenminister Diosdado Cabello und ihrem Bruder, Parlamentspräsident Jorge Rodríguez. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch mit Rodríguez telefoniert, die seit der Entführung von Maduro am 3. Januar durch US-Spezialkräfte Venezuela regiert. Aus Trumps Sicht ein gutes Gespräch: „Wir haben über viele Dinge gesprochen, und ich glaube, wir kommen mit Venezuela sehr gut zurecht.“
Aber alle Aktionen der Chavisten interessieren den US-Präsidenten bestenfalls wenig. Trumps Hauptaugenmerk lag am Donnerstag auf seinem Mittagessen mit der venezolanischen Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado. Trump machte klar, was er sich von dem Treffen erwartete: Machado sollte ihren Nobelpreis an ihn weiterreichen, denn er habe ihn „verdient“. Anfang Januar hatte Machado im trump’schen Sender Fox News gesagt, sie sei zur Weitergabe des Nobelpreises an Trump bereit. „Weil dies der Preis des venezolanischen Volkes ist, wollen wir ihn (Trump) natürlich überreichen und ihn mit ihm teilen.“ Teilen ist allerdings nicht etwas, für das Trump bekannt ist.
Erwartet wurde, dass Machado mit dem US-Amerikaner ihre Rückkehr nach Venezuela bespricht. Die neue, alte Führung in Caracas sucht unterdessen wieder die Nähe zu westlichen Staaten, die sie zuvor gemieden hatte. Der Rausschmiss von UN-Diplomaten oder Botschafterinnen von Nachbarstaaten oder der EU gehörte zu Maduros liebstem außenpolitischen Arsenal.
Anfang 2024 hatte Venezuelas Nationalversammlung mehr als 400 EU-Abgeordnete zu unerwünschten Personen erklärt, nachdem das Straßburger Parlament die Verhängung weiterer Sanktionen gegen das Regime empfahl. Nach der gefälschten Präsidentenwahl im Juli 2024 komplementierte Caracas dann die Botschafter von Argentinien, Chile, Costa Rica, Peru und anderen lateinamerikanischen Staaten aus dem Land. Inzwischen feiert sich die neue Führung für ihre Kontakte nach Europa. Vor einigen Tagen empfing Außenminister Yván Gil den deutschen Botschafter Volker Pellet. Nur Wochen zuvor hatte sich Innenminister Cabello im TV noch über Pellet lustig gemacht und Fotos gezeigt von ihm auf einem angeblichen Spaziergang. Damit wollte der Minister die Warnung des Auswärtigen Amtes vor den Risiken einer Reise nach Venezuela verhöhnen. Am 10. Januar dann wurde der Botschafter offiziell empfangen – und Cabello drückte ihm die Hand.
Frankfurter Rundschau, 16.1.2026
Der Friedensnobelpreis, erst hat Machado ihm den Preis angeboten, jetzt erwartet er ihn. Weil er ihn verdient habe.
Gibt es für die Verleihung eine große Sause mit geladenen Staatsgästen?
Trump fordert von der venezolanischen Oppositionsführerin Machado die Osloer Ehrung für sich. In Caracas suchen die alten Mächte Anschluss an die internationale Gemeinschaft
Die neue chavistische Führung in Venezuela sendet Zeichen einer Öffnung, macht Schritte der Normalisierung der Beziehungen zu westlichen Staaten und lockert die Repression gegen Andersdenkende und Medien. Präsidentin Delcy Rodríguez wandte sich am Mittwoch erstmals an die Presse und sagte, dass inzwischen 406 Häftlinge freigelassen worden seien.
Bei der Mehrheit handelt es sich um politische Gefangene. Der gestürzte Präsident Nicolás Maduro habe bereits im Dezember die Freilassungen eingeleitet. Das gehe nun weiter, um „Raum für Verständigung und Toleranz zu schaffen”, erklärte Rodríguez im Präsidentenpalast Miraflores. „Venezuela öffnet sich einer neuen politischen Ära, die Verständnis trotz unterschiedlicher politischer und ideologischer Ansichten ermöglicht”. Flankiert wurde Rodríguez vom mächtigen Innenminister Diosdado Cabello und ihrem Bruder, Parlamentspräsident Jorge Rodríguez. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch mit Rodríguez telefoniert, die seit der Entführung von Maduro am 3. Januar durch US-Spezialkräfte Venezuela regiert. Aus Trumps Sicht ein gutes Gespräch: „Wir haben über viele Dinge gesprochen, und ich glaube, wir kommen mit Venezuela sehr gut zurecht.“
Aber alle Aktionen der Chavisten interessieren den US-Präsidenten bestenfalls wenig. Trumps Hauptaugenmerk lag am Donnerstag auf seinem Mittagessen mit der venezolanischen Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado. Trump machte klar, was er sich von dem Treffen erwartete: Machado sollte ihren Nobelpreis an ihn weiterreichen, denn er habe ihn „verdient“. Anfang Januar hatte Machado im trump’schen Sender Fox News gesagt, sie sei zur Weitergabe des Nobelpreises an Trump bereit. „Weil dies der Preis des venezolanischen Volkes ist, wollen wir ihn (Trump) natürlich überreichen und ihn mit ihm teilen.“ Teilen ist allerdings nicht etwas, für das Trump bekannt ist.
Erwartet wurde, dass Machado mit dem US-Amerikaner ihre Rückkehr nach Venezuela bespricht. Die neue, alte Führung in Caracas sucht unterdessen wieder die Nähe zu westlichen Staaten, die sie zuvor gemieden hatte. Der Rausschmiss von UN-Diplomaten oder Botschafterinnen von Nachbarstaaten oder der EU gehörte zu Maduros liebstem außenpolitischen Arsenal.
Anfang 2024 hatte Venezuelas Nationalversammlung mehr als 400 EU-Abgeordnete zu unerwünschten Personen erklärt, nachdem das Straßburger Parlament die Verhängung weiterer Sanktionen gegen das Regime empfahl. Nach der gefälschten Präsidentenwahl im Juli 2024 komplementierte Caracas dann die Botschafter von Argentinien, Chile, Costa Rica, Peru und anderen lateinamerikanischen Staaten aus dem Land. Inzwischen feiert sich die neue Führung für ihre Kontakte nach Europa. Vor einigen Tagen empfing Außenminister Yván Gil den deutschen Botschafter Volker Pellet. Nur Wochen zuvor hatte sich Innenminister Cabello im TV noch über Pellet lustig gemacht und Fotos gezeigt von ihm auf einem angeblichen Spaziergang. Damit wollte der Minister die Warnung des Auswärtigen Amtes vor den Risiken einer Reise nach Venezuela verhöhnen. Am 10. Januar dann wurde der Botschafter offiziell empfangen – und Cabello drückte ihm die Hand.
Frankfurter Rundschau, 16.1.2026
Der Friedensnobelpreis, erst hat Machado ihm den Preis angeboten, jetzt erwartet er ihn. Weil er ihn verdient habe.
Gibt es für die Verleihung eine große Sause mit geladenen Staatsgästen?