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Baywa, ein Sanierungsfall

Von Harvey11 Dienstag 27.05.2025, 10:36

Gläubigermehrheit für Restrukturierung: Deutschlands größter Agrar- und Baustoffhändler mit milliardenschwerem Schuldenberg

Das Fiasko, das Desaster ist abgewendet. Zunächst zumindest. Die Finanzgläubiger des größten deutschen Agrar- und Baustoffhändlers Baywa AG haben dem Sanierungs- bzw. Restrukturierungsplan des Unternehmenskonglomerats zugestimmt. Jedenfalls mehrheitlich, berichtete jüngst der Bayerische Rundfunk (BR). Das gehe aus einer Börsenpflichtmitteilung der Baywa mit Hauptsitz in München hervor, so der Sender weiter. Und: »Wäre diese Zustimmung nicht erfolgt – die Zahlungsunfähigkeit der Baywa wäre nur noch eine Frage von Wochen gewesen.«

Was wollten sie auch sonst tun? Es besteht immerhin Hoffnung.
Wie es dazu kam?
Noch im Geschäftsjahr 2022 sprang der Konzernumsatz von rund 20 Milliarden Euro auf zirka 27 Milliarden Euro. Ursache war der Ukraine-Krieg. Agrarprodukte erzielten Rekordpreise – und der Gewinn aus dem laufenden Geschäft (EBIT) überstieg erstmals die Marke von 500 Millionen Euro. Die Aktionäre, darunter viele Landwirte, bekamen ihre bisher höchste Dividende.
Der Wetterwechsel kam schnell. Die Europäische Zentralbank beendete ihre Nullzinspolitik, die Zinsbelastung für die Baywa vervielfachte sich innerhalb weniger Monate. Kein Wunder, denn die Konzernbosse finanzierten ihre Projekte auf Pump, überwiegend mit kurzfristigen Krediten, die nach wenigen Monaten schon fällig sind. Nur ein Jahr nach dem Höhenrausch waren die Zinszahlungen derart hoch, dass 2023 keine Dividenden mehr ausgeschüttet wurden. Mehr noch: Die Baywa hatte zum ersten Mal Verlust gemacht.
Hinzu kamen interne Querelen. Anfang 2024 war ein Machtkampf zwischen Exvorstandschef Klaus Josef Lutz und seinem Nachfolger Marcus Pöllinger derart eskaliert, dass Lutz seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender »mit sofortiger Wirkung« niederlegte. Ein munteres Stühlerücken in der gesamten Führungsriege folgte.
Ein riesiger Schuldenberg. Und wer soll dafür die Verantwortung übernehmen? Der Vorstand, der Aufsichtsrat? Wohl kaum.
Fest steht freilich, die Baywa-Bosse setzen auf eine altbekannte Doppel-Krisen-Strategie: Standorte dichtmachen, Jobstellen streichen.
Tja, die Bayern könnens.


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