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Warum sind Kreuzfahrer

Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 01.03.2018, 08:58

Warum sind Kreuzfahrer so versessen darauf, an Bord kein Trinkgeld zu geben? Purer Geiz, vorgeschütztes Gerechtigkeitsdenken, die große Trinkgeld-Verschwörung der Reedereien? Mir fallen wenig positive Argumente ein. Eigentlich keine. Vorausgeschickt: Ich halte das Trinkgeldwesen in der Kreuzfahrt für nicht mehr zeitgemäß und fehlgeleitet. Das „Serviceentgelt“ genannte Trinkgeld ist faktisch keine extra Belohnung für guten, individuellen Service. Trinkgelder sind versteckte, obligatorische Reisekosten. Es ist ein Trick der Reedereien, mit dem sie die anständige Bezahlung ihrer Mitarbeiter auf den Kunden abschieben, um die Kreuzfahrt-Preise im Katalog und in der Werbung niedrig zu halten. Norwegian Cruise Line und inzwischen auch Costa zeigen eindrucksvoll, dass beim Thema Trinkgeld Wettbewerbsargumente auch bei internationalen Reedereien keinen Rechtfertigungsgrund liefern. Die großen, deutschen Reedereien handhaben das ohnehin längst anders. Mehr oder weniger obligatorisches Trinkgeld hat in einer modernen Gesellschaft nichts mehr verloren (vergleiche: „Zwangstrinkgeld – ein Ärgernis mit langer Geschichte“). Aber: Solange die Strukturen so sind, leidet die Crew, wenn Passagiere die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen. Egal mit welchen guten Vorsätzen und mit welch großzügigen Beträgen manche Passagiere das Trinkgeld-Thema an der Reederei vorbei anders zu regeln versuchen: Es gibt unschuldige Opfer. Deshalb halte ich es für unabdingbar, sich an die – zweifelsfrei zweifelhaften – Vorgaben der Reedereien zu halten. Der Protest muss anders stattfinden, um die Richtigen zu treffen und etwas zu verändern.

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