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Gundagai - das einst wilde Herz von Australien

Von Feierabend-Mitglied 09.02.2025, 12:38 – geändert 09.02.2025, 13:15



Gundagai ist eine der bekanntesten Städte im ländlichen New South Wales und berühmt für ihre koloniale Geschichte, indigene Wurzeln und natürlich den "Dog on the Tuckerbox". Doch die Stadt hat weit mehr zu bieten als nur eine ikonische Hundestatue – sie war einst ein zentraler Schauplatz des australischen Goldrausches und der Bushranger-Ära.

Indigene Geschichte

Vor der Ankunft der Europäer war das Gebiet um Gundagai das traditionelle Land der Wiradjuri, einer der größten indigenen Gruppen Australiens. Die Wiradjuri lebten hier seit Tausenden von Jahren, jagten, fischten und betrieben nachhaltige Landwirtschaft entlang des Murrumbidgee-Flusses. Doch mit der Ankunft der britischen Siedler im frühen 19. Jahrhundert änderte sich alles. Landraub, Krankheiten und gewaltsame Konflikte führten dazu, dass die indigene Bevölkerung stark dezimiert wurde.

Besonders tragisch war das große Hochwasser von 1852, das fast die gesamte europäische Siedlung von Gundagai zerstörte. Die wenigen Überlebenden verdankten ihr Leben den Wiradjuri, die in Kanus durch die reißenden Fluten paddelten und mehr als 60 Menschen retteten. Ironischerweise wurden die indigenen Retter später weitgehend ignoriert oder schlecht behandelt – eine bittere Erinnerung an die Ungerechtigkeiten dieser Zeit.

Goldrausch und Bushranger – Eine explosive Mischung

Mitte des 19. Jahrhunderts verwandelte der australische Goldrausch New South Wales und Victoria in das gelobte Land für Glücksritter, Abenteurer und jede Menge zwielichtige Gestalten. Gundagai lag strategisch günstig auf der Überlandroute zwischen Sydney und Melbourne – einer der Hauptverkehrsadern für Goldsucher, Händler und Postkutschen. Kein Wunder also, dass die Stadt bald zum bevorzugten Spielplatz von Bushrangern wurde.

Der Goldrausch: Ein Magnet für Glücksritter und Gauner

Die Entdeckung von Gold in der Region zog Tausende von Menschen an – von ehrlichen Minenarbeitern bis hin zu skrupellosen Spekulanten, die ihre Großmutter für ein paar Nuggets verkauft hätten. Die Straßen rund um Gundagai waren voller Planwagen, Pferdegespanne und Männer mit Goldfieber in den Augen. Einige fanden tatsächlich Reichtum, andere nur einen staubigen Tod in der Wildnis.

Aber wo Gold ist, sind auch Räuber nicht weit. Mit ungeschützten Kutschen voller Gold, die zwischen den Goldfeldern und den Städten hin- und herpendelten, wurde die Region um Gundagai zum perfekten Jagdrevier für Gesetzlose – und es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Bushranger in der Gegend breit machten.

Bushranger: Outlaws oder Volkshelden?


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Bushranger waren Australiens Antwort auf den Wilden Westen: bewaffnete Gesetzlose, die Kutschen überfielen, Banken ausraubten und sich mit der Polizei wilde Schusswechsel lieferten. Manche wurden als brutale Mörder gefürchtet, andere als rebellische Volkshelden gefeiert – je nachdem, wen man fragte.

Gundagai hatte seine eigenen berüchtigten Bushranger, die die Straßen unsicher machten:

Jacky Jacky & Paddy Curran – Diese beiden sorgten in den 1840er Jahren für Chaos in der Region. Sie überfielen Reisende und Händler und machten sich durch ihre rücksichtslosen Angriffe einen Namen. Curran wurde schließlich gefasst und gehängt, während Jacky Jacky auf mysteriöse Weise verschwand – manche sagen, er sei von seinen eigenen Kumpanen verraten worden.

Captain Moonlite – Der romantische Outlaw?
Einer der berüchtigtsten Bushranger, die mit Gundagai in Verbindung stehen, war Captain Moonlite (Andrew George Scott). Im Gegensatz zu vielen anderen Gesetzlosen war er nicht nur ein gewöhnlicher Räuber – er war auch ein charismatischer Redner und hatte einen Hang zur Theatralik. Angeblich trug er eine elegante Uniform und war so etwas wie eine Mischung aus Robin Hood und einem Gentleman-Gauner.

Moonlite hatte eine enge Verbindung zu Gundagai, denn 1879 führte er eine Gruppe von Outlaws in einen bewaffneten Überfall auf ein Gehöft in der Nähe der Stadt. Es kam zu einer dramatischen Schießerei mit der Polizei, bei der einer seiner Männer getötet wurde. Moonlite selbst wurde gefasst, vor Gericht gestellt und 1880 in Sydney gehängt. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: "I am not afraid to die." Ob er dabei wirklich so cool blieb, wie es in den Legenden erzählt wird, bleibt fraglich.

Ben Hall – Der Rächer des Volkes?
Ein weiterer berühmter Bushranger, der in der Region aktiv war, war Ben Hall. Ursprünglich ein Farmer, wurde er nach einer Reihe von Ungerechtigkeiten durch die Polizei in die Kriminalität getrieben. Er führte einige der spektakulärsten Überfälle in der Geschichte Australiens durch, darunter den legendären Raubzug auf die Stadt Canowindra, bei dem er die gesamte Bevölkerung kurzerhand als Geiseln nahm – nur um dann allen eine Runde Drinks in der örtlichen Bar zu spendieren.

Obwohl Hall nicht direkt in Gundagai operierte, nutzte er die Region als Rückzugsort. 1865 wurde er schließlich von der Polizei in einem brutalen Hinterhalt erschossen – ein Schicksal, das vielen Bushrangern blühte.

Das Ende der Bushranger-Ära

Mit der Zeit wurden Bushranger zur Bedrohung für das koloniale Establishment, und die britische Regierung begann, sie systematisch zu jagen. Die Polizei setzte verstärkt auf bezahlte Spitzel, bessere Bewaffnung und neue Gesetze, die es ermöglichten, bekannte Gesetzlose ohne Prozess zu erschießen – eine Art früher „Shoot First, Ask Later“-Ansatz.

Bis zum späten 19. Jahrhundert war die große Ära der Bushranger vorbei. Manche wurden gefasst und hingerichtet, andere wie Ned Kelly wurden zu Legenden und verewigt – nicht zuletzt durch ihre berühmten letzten Worte: "Such is life."

Dog on the Tuckerbox – Mythos, Musik und ein Hauch von Unsinn


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Was wäre ein Artikel über Gundagai ohne den berühmten "Dog on the Tuckerbox"? Die ikonische Statue feiert einen Hund, der angeblich seinem verstorbenen Besitzer die Treue hielt und auf seiner Essenskiste (Tuckerbox) Wache hielt. Die Geschichte wurde von dem Volkslied "The Dog on the Tuckerbox" von Slim Dusty verewigt – und wer einmal ein paar Drinks zu viel hatte, hat bestimmt schon versucht, mit dem Hund zu sprechen. Tipp: Er antwortet nicht. Oder vielleicht doch, wenn der Whiskey gut genug ist.

Gundagai heute: Vom Outlaw-Nest zur Touristenattraktion

Heute ist von der rauen Bushranger-Vergangenheit in Gundagai nicht mehr viel zu spüren. Statt Banditen gibt es hier nun freundliche Einheimische, und statt überfallenen Kutschen fahren Wohnmobile auf den historischen Straßen.

Doch die Geschichten von Goldsuchern und Outlaws sind bis heute lebendig. Besucher können historische Orte erkunden, die einst von Bushrangern heimgesucht wurden, und sich in die Zeit zurückversetzen, als Gundagai noch das wilde Herz von New South Wales war – voller Gold, Pistolenrauch und zweifelhafter Helden.

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