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„Auszeit“ – Törn unter Segeln Teil 2

Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 23.10.2019, 09:23

Von Brela aus, wo wir rd. eine Woche verweilten, ging es immer weiter nördlich durch die Kornaten nach Zadar und dann weiter in den Kvarner Golf zu den Inseln Rab und Krk. Diese Fahrt war allerdings für einige Stunden sehr heikel, weil wir trotz Funk und Nasa Weatherman ohne jegliche Wettervorwarnung in eine extreme Bora kamen (sehr plötzlich auftretende, eisige Fallwinde aus Nordost, die durch Lücken im Gebirge wie durch eine Düse auf die Adria treffen).
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Die Temperaturen sanken binnen einer Stunde um 17 Grad und wir hatten während der Bora tatsächlich nur noch knappe 5 Grad. Uns wurde sehr kalt und wir froren ordentlich, zum einen, weil wir durch die Gischt “ruck-zuck“ trotz Sprayhood klitschnass wurden, wir mit einem solchen extremen Temperatursturz auch nicht rechnen konnten und dafür völlig falsch angezogen waren.
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Wir haben natürlich auch für solche Temperaturen entsprechendes Offshore High-Tech-Ölzeug an Bord, hatten dieses aber halt nicht an. Heißer Tee und schnelles Umziehen war also angesagt.
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Häfen anlaufen ging schlichtweg nicht, da hätten wir unser Böötchen sicherlich eher auf die Mole gesetzt und Ankern war bei diesem schweren Sturm ebenfalls völlig unmöglich. Wir sind dann sofort nach Westen auf die offene See hin abgedreht, um möglichst schnell dem Würgegriff der Bora zu entkommen und das klappte dann nach einigen Stunden auch gut, da die Bora weiter gen Westen und abseits der Küste bald ihre Kraft verliert. Dem Griff der Bora entschwunden hatten wir dann bald auch wieder um die 20 Grad. Angst hatten wir beide nicht, aber man mußte schon sehr wachsam sein (wir hätten auch nicht über Bord gehen können, da wir beim Segeln immer mit eingepicktem Lifebelt im Cockpit sind). Zum anderen ist meine “be happy“ als “hochseetauglich für weltweite Fahrt“ eingestuft, da muß sie einen solchen Sturm schon abkönnen.
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Die Bora gehört übrigens zu den Winden mit den schwersten Böen weltweit von angeblich bis zu 250 km/h (lt. Wikipedia). Wir hatten Wind von bis zu 69 kn = 128 km/h (lt. unserer dig. Windanzeige = Windstärke 12), und das auf dem Wasser zwischen vielen Inseln / Klippen reichte uns völlig. Wir mußten sofort alle Segel bergen und sind dann nur noch mit unserer kleinsten Sturmfock weiter, um halbwegs manövrierfähig zu bleiben. Ca. 4 m² - etwa die Größe von 2 Sauna-Handtüchern - für eine voll ausgestattete und mit vollen Tanks / Vorräte knapp 8,5 to. schwere Yacht ist nicht gerade viel, trotzdem hatten wir zwischen 7-8 kn auf dem Log. Mehr an Segelfläche wäre sehr leichtsinnig und sehr gefährlich gewesen.
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Kroatien ist ein sehr schönes Land mit toller Natur, netten Menschen und für Segler / Bootfahrer ein klasse Revier, aber uns sieht Kroatien -mind. die nächsten 10 Jahre- nicht wieder.
Warum? Man sieht in den Touristen nicht mehr die Menschen, sondern nur deren Brieftasche. Vielfach richtig miese Abzocke (nicht bei den “einfachen“ Menschen an sich, nicht in Pensionen, aber sonst fast überall), regelrechter Beschiss (z.B. beim Tanken, illegale Bojenfelder, keinerlei Leistung aber abkassieren, Ankern dort angeblich verboten, mitunter dort auch tätliche Übergriffe, wenn man sich nicht daran hält, uvm.) und je später die Saison desto schlechter ist das Essen / der Service. Ich bin der Meinung, nach Kroatien sollte man nur noch kurz vor der Hauptsaison, danach, na ja ...
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Ich war früher sehr gern und oft in Jugoslawien / Kroatien und habe mich dort immer sehr wohl gefühlt, jetzt würde ich dort nicht mehr Urlaub machen, basta! Schade, sehr schade.
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Nach unserem Aufenthalt auf Krk und Rab segelten wir immer weiter nördlich die Adria hoch und liefen als nächste Ziele Portorož (Slowenien), Triest, Grado und Venedig (Italien) an.
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Italien ist richtig schön und gefällt uns Beiden sehr:
Viel Kultur, nette Menschen, schöne Landschaften, tolles Essen, schöne Städte (z.B. Rom, Bari, Triest = vieles noch aus der Zeit der K.& K.-Monarchie, und in der näheren Umgebung sehr interessante Bauwerke wie z.B. “Miramare“, “Duino“ und die “Redipuglia“ in Gorizia (mehr jeweils unter Wikipedia).
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Die “Redipuglia“ ist für mich auch heute noch nach über 53 Jahren, als ich sie das erste Mal als kleines Kind gesehen habe aber auch für Laura sowohl faszinierend als auch sehr bedrückend.
Es handelt sich dabei um eine Riesentreppe mit 22 Stufen mit in die Stufen integrierten Gräbern von in den Weltkriegen bekanntermaßen 100.187 Gefallenen (jede Stufe weit über mannshoch und geschätzt ca. 60-70 m breit. Die teilweise im Web angegebenen 12 m sind absoluter Blödsinn). Vielleicht mal nach "Redipuglia" googlen?
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Venedig, worauf wir uns beide so sehr gefreut hatten, weil wir es beide nicht kannten, war, so schön die Stadt eigentlich wäre, für uns allerdings eine sehr große Enttäuschung:
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auch Ende Sept. noch sehr voll (okay, damit kann man für´n paar Tage leben), sehr dreckig, sehr stinkig von den vielen Kreuzfahrern, die mitten in der Stadt liegen und die Luft wegen der notwendigen Stromversorgung der Schiffe durch rund um die Uhr mit Schweröl laufende Motoren verpesten – es vergeht angeblich kaum ein Tag, an dem nicht mind. 1-2 Kreuzfahrer dort anlegen, viel kaputte Bausubstanz (scheint aber keinen zu stören) und Preise, man glaubt es nicht.
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Da es nördlich nicht mehr weiter geht, gingen wir wieder auf Südkurs und fuhren Ulcinj in Montenegro an, leider nur für 3 Tage, da es dort weder einen vernünftigen Hafen noch eine entsprechende Ankerbucht für uns gab und der nächste Hafen Budva rd. 50 km entfernt liegt und von dort ein zweites Mal nach Bari, bevor es den italienischen Stiefel weiter südlich über Brindisi und Crotone (Kalabrien) nach Catania, Syrakus und Agrigento (Sizilien) und von dort aus in einem Rutsch nach Hause ging.
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Unsere “be happy“ hat sich während unseres ganzen Törns wieder wunderbar bewährt und war uns immer -auch bei schwerstem Sturm- eine sehr sichere Yacht und ebenso unser sehr komfortables, kleines “Hotel“ (na ja, immerhin auch rd. 30 m² “Wohnfläche“ unter Deck mit 3 Kabinen + Salon, sodaß man sich auch mal aus dem Weg gehen könnte und mit genügend großem Cockpit plus Decksfläche als Sonnenterrasse und ja, ich gebe es zu: ich bin schon ein bißchen stolz auf meine “be happy“).
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Die Segel richtig getrimmt läuft unser Böötchen auch bei Starkwind / in Böen wie auf Schienen und wenn der Wind nicht gravierend dreht oder man nicht wegen anderer Boote / Schiffe achtsam sein muß, kann man es sich im Cockpit derweil stundenlang “arbeitslos“ richtig bequem machen und entspannen (grillen, sonnen, lesen, entspannen, etc.), während das Radar “aufpaßt“ und man den Autopiloten steuern läßt.
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Übrigens war trotz aller Technik mind. Eine/r von uns immer im Cockpit, d.h. wir haben unser Böötchen niemals sich selbst überlassen. Wir haben uns mit und auf ihr immer sehr sicher und wohl gefühlt = “un Voilier genial“.
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Auf unserem kurzen Törn von Bari nach Brindisi wurden wir völlig überraschend von der ital. Küstenwache gestoppt und zwei Marinesoldaten untersuchten unsere “be happy“. Was glaubt man, haben die bei uns an Bord gesucht? Drogen, Alkohol, Waffen? Nein, Migranten!
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Angeblich werden seit einiger Zeit Flüchtlinge gegen schweres Geld mit Privatyachten über die Adria nach Italien eingeschleust und so hat man begonnen, Yachten zu kontrollieren. Natürlich war außer uns beiden keiner an Bord unserer “be happy“ und so konnten wir auch bald wieder, mit besten Wünschen der Carabinieri versehen, weiterfahren.
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