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Ransmayr 2

Von ehemaliges Mitglied Montag 06.02.2017, 21:02

So wird es auch selbstverständlich, dass im antiken Rom dem Redner Mikrofone dienen (a.a.O. S. 59); Fagott und Flöte spielen im Orchester mit (a.a.O. S. 77), ein Billiardsalon taucht auf (a.a.O., S. 93). Auch das Kino spielt eine wichtige Rolle. „... von der zarten Mechanik jenes schwarzen, mattschimmernden Projektors, der in einer mit Tüll ausgeschlagenen Kiste verwahrt lag, der Maschine, in die Cyparis ganze Schicksale einspannen und sie dann surrend in bewegte Welt überführen konnte, ins Leben. Alljährlich erstand so auf Tereus Mauer unter den Handgriffen des Liliputaners eine Welt, die den Menschen der eisernen Stadt so fern ihrer eigenen erschien, so unerreichbar und zauberhaft, daß sie noch Wochen, nachdem Cyapris wieder in der Weitläufigkeit der Zeit verschwunden war, keine anderen Geschichten besprachen als Versionen und Nacherzählungen der nun für ein weiteres Jahr wieder erloschenen Lichtspiele.“ (a.a.O. S. 23) Schon zu Beginn des Buchs wurde dem Forschungsreisenden wie auch Ovid Tomi zum Sinnbild des ehernen Zeitalters der finsteren Zeit. „Und doch zog durch die steilen Gassen immer noch der Rauch aus den Öfen der Erzkocher, die der Stadt ein minderes Eisen bescherten – das einzige, woran hier niemals Mangel geherrscht hatte.
Aus Eisen waren die Türen, aus Eisen die Fensterläden, die Einfriedungen, die Giebelfiguren und schmalen Stege, die über jenen Sturzbach führten, der Tomi in zwei ungleiche Hälften teilte. Und an allem fraß der salzige Wind, fraß der Rost. Der Rost war die Farbe der Stadt. …
daß an diesem vom Meer und vom Gebirge gleichermaßen bedrängten Ort, der so sehr in seinen Bräuchen, den Plagen der Kälte, der Armut und schweren Arbeit gefangen war, überhaupt etwas geschehen konnte, worüber man in den entrückten Salons und Cafés der europäischen Metropolen sprach.“ (a.a.O. 10) ( Ovid a.a.O., Vers 9 ff.) Wieder lehnt sich Ransmayr eng an Ovid an, der die Entwicklung/Verwandlung der Gesellschaft mit dem ehernen Zeitalter beginnt. In diese Trostlosigkeit bricht nun durch die Filmvorführungen der Traum von besseren Zeiten, vom Ende des ehernen Zeitalters. Wer denkt da nicht an die Wirkung von Fernsehen und Internet in den „Entwicklungsländern“? „In ihrem Mienenspiel meinte er manchmal die Macht und die Unerfüllbarkeit seiner eigenen Sehnsüchte wiederzuerkennen.“

Ovid war ein eminent politischer Dichter, der Spott, den er über den Bildungsstand der Herrschenden in der Nomenklatura bis hinauf zum sakrosanken Kaiser ausgossss, wart die Grundlage seiner Verbannung an das Schwarze Meer. Eine Kostprobe à la Ransmayr , Frucht seiner Phantasie, in der er Ovid nicht nachsteht., „Nein, im Herz des Palastes hatte niemand Elegien gelesen. Bücher waren diesem Herzen so fremd wie die Welt.“ (a.a.O. S. 70) Das vollendet das Bild vom finsteren Zeitalter.

Nicht alle Episoden der metamorphoses sind Ransmayr eine Erinnerung oder Anregung für seine Phantasie. So genügt mir der Baum im Hof des ehemaligen Anwesens von Naso, um den Mythos von Apollo und Daphne (Ovid a.a.O.S. 36 ff.) zu assoziieren.

Der nächste Ransmayr („Die Schrecken des Eises und der Finsternis“) ist besorgt, er liegt zur Lektüre bereit.

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