Zum Thema "Zecken" kann ich auch etwas beitragen
Von
speedygonzalez
Freitag 27.01.2023, 00:17
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speedygonzalez
Freitag 27.01.2023, 00:17
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Die Zeckensuche
Ich mag sie nicht, diese kleinen „Nasty Bugs“, wie man sie auch bezeichnen könnte.
Man denkt an nichts böses, wandert frohgemut durch Feld und Au und hat nur im Sinne, die Natur zu genießen. Doch bei all dieser erfreulichen Aktivität gibt es einen Tropfen Essig im Wein: die Zecken. Und die haben es auf mich abgesehen. Fast könnte man meinen, sie hätten Spione direkt an meiner Haustür. Kaum bin ich drau-ßen, so geht ein Weckruf durch die Gegend und sie machen sich zur Hauptmahlzeit bereit. Egal, wo ich herkomme oder wie vorsichtig ich bin: ich fang mir eine ein. Ob Hosenklammern oder Einweckgummi um die Knöchel, sie finden den Weg zu mir. Noch hässlicher, sie sitzen nicht einfach so da herum, nein, diese gemeinen Fein-schmecker wollen auch noch ein warmes Plätzchen haben, eines mit feuchterem Klima, Nichtsnutze, die! Überall fand ich sie schon, in den Achseln, unter den Brüsten und am Lästigsten, an meiner Muschel. Ja, genau da! Die nenne ich gern so, sieht ja auch so aus.
Sind das nun alles männliche Genießer, oder Allrounder? Nicht, dass ich nicht gerne damit spiele, mit meiner Muschi, oh doch, das schon, nur mich dezidiert immer wieder so inspizieren zu müssen, ist etwas anderes. Mal ganz abgesehen davon, dass sie auch bösartige Krankheiten übertragen können, es ist halt lästig, sich nach jeder Wan-derung minutiös nach kleinen schwarzen Krabbelbiestern absuchen zu müssen und das erfordert viel, viel Gelenkigkeit, auch Spiegel helfen einem da wenig. Häufig genug ist es mir passiert, dass ich nach eindeutig erfolgloser Suche, doch eine fand, die sich dicksaufen wollte, auch da.
Es ist ein Jammer, denn es gibt nichts Schöneres, als den Wald. Nichts liebe ich mehr, als auf dem Waldboden zu liegen, verträumt in die Wipfel zu schauen, dem Wispern der Nadeln zu lauschen, dem Rascheln der Blätter und ganz zu schweigen von den Vögeln dort oben. Hummelsummen höre ich auch gern. Aber … na ja
So, wie heute auch.
Diesmal sollte es eine andere Strecke sein mit einer Zusatzschleife am Ende und ich fand einen stattlichen jungen Mann am Boden auf einer großen weißen Decke. Ein großes weißes Laken auf dem Waldboden? Der wirklich attraktive junge Kerl hatte die Hosen auch mit Klammern dicht gemacht und inspizierte den Inhalt eines Schmetter-lingsnetzes. Auf den ersten Blick schien es ein netter Junge zu sein und diese Arbeit interessierte mich.
„Hallo, was treiben Sie denn da?“ Er sah zu mir auf, realisierte neben meinem nicht grade unansehnlichen, nabelfreien Outfit, auch meine Einmachgummis an den Hosen-beinen und lächelte. „Ich gehe einem offensichtlich gemeinsamen Hobby nach.“ „Zecken?“ „Genau.“, nickte er. „Liebend gerne würde ich auf so ein Hobby verzichten. Mich mögen sie nur allzu gerne.“ „Nun, dann sind wir ja schon zu Zweit. Nur, ich mache das auch noch zu wissenschaftlichen Zwecken.“ „Die widerwärtigen Zecken zu wissenschaftlichen Zwecken: Könnte man fast einen Reim drauf machen, wäre es nicht so zum Lachen.“ Wir sahen uns einen Moment an und fingen tatsächlich lauthals an zu lachen, ich hatte grade, ohne es zu wollen wirklich einen Reim darauf gemacht.
Wie platzmachend fegte er über das weiße Laken. Ein weißes Laken auf dem Wald-boden? Wie würde das nachher von unten aussehen?
„Wollen Sie sich nicht einen Augenblick setzen?“ Die Stimme gefiel mir auch, sie ging mir innerlich so richtig runter und suchte sich ein Plätzchen im Wohlfühlbereich. „Gerne.“ Platznehmend reichte ich ihm die Hand. „Rosi Waldhof.“ „Angenehm, Peter Mannsfeld.“ Angenehm feste Hand. Neugierig war ich gar nicht. „Wie meinten Sie das, mit den wissenschaftlichen Zwecken - auch noch bei Zecken.“ Schon wieder war es mir mit dem Reim gelungen. Wieder lachten wir. „Ich sag nichts mehr.“ Aber neugierig gingen meine Blicke an dem Schmetterlingsnetz, so entging mir sein prüfender Blick über meinen unbedeckten Bauch. Peter nahm das Netz auf und zeigte mir, wie es damit ging. „Man streicht im Vorbeigehen damit über das Gebüsch und wenn es welche gibt, bleiben sie darin hängen. Die sammle ich dann ein und im Institut werden sie untersucht.“
Relativ deutlich gingen seine Augen über meine nackte Haut. „Und die von Ihrem Bauch würde ich auch gern einsammeln.“ Er nahm eine Pinzette und wollte mir vom Bauch eine Zwecke abnehmen, die sich vom Nabel Richtung Süden aufmachte. Ich fuhr zurück. „Entschuldigen Sie den Überfall, Frau Waldhof. Aber Eile ist geboten.“ Er hatte meinen Schreck auf den Überfall erkannt, gebot mir mit einer Hand Ruhe, näherte sich vorsichtiger und nahm mit der Pinzette ganz gelassen eine Zecke ober-halb des Hosenbundes von meiner Haut. In eine seiner kleinen Röhrchen geschoben und „Rosi“ drauf geschrieben. Seine warme Hand spürte ich immer noch, wie er die Haut leicht hoch drückte, als er sie abnahm. So kann man andere Partien auch hoch-drücken. Das kannte ich schon. „Jetzt kriegt sie auch noch meinen Namen? Sind sie immer so nett zu diesen Biestern?“ Er grinste. „Keinesfalls, aber als Erinnerung an diesen Besuch im Wald, denke ich, passt das.“ Mit Schalk in den Augen sah er mich dabei an. „Im Labor müssen die Funde katalogisiert werden, besser noch, sobald es geht und das geht am besten mit einem Namen – vorläufig.“ „Und dann steht da: von Rosis Bauchnabel, oder?“ Er lachte herzlich, nahm noch einen besseren Blick von meinem Bauchnabel und seiner näheren Umgebung, drüber und drunter. Warum auch hatte ich für diesen Spaziergang so eine knappe Jeans angezogen? „Nicht doch, so etwas doch nicht.“ Doch seine Augen blieben. „Und was passiert dann damit?“ „Wir untersuchen sie auf Krankheitserreger, Borreliose und so.“
Nun schaute ich ihn mir schon genau an, diesen Jungforscher, konnte bei all dem nicht vergessen, wie gekonnt er eben diesen nasty bug von meinem Bauch gepflückt hatte. Markantes Kinn, deutlicher Bartwuchs, sehr gepflegt. Die warme Hand war gut gewesen. Mehr und anders, prickelnder, als wenn jemand der Verwandtschaft das mal machte. Sehr feinfühlig. Könnte man sich dran gewöhnen.
Während er redete, war ich immer noch in Gedanken bei mir, dem Bauch und ich ging auf die Pirsch, ob da nicht doch noch eine … Aber ich konnte hier ja schlecht nachschauen.
Derweil versorgte er seinen restlichen Fang, beschriftete ihn und machte sich ab-marschfertig. Gleich würde er weiter gehen, verschwinden. Das gefiel mir nicht, ein echtes Empfinden von Verlust war auf einmal in mir, das ging nicht.
„Sagen Sie, wie fänden Sie es, wenn Sie mitkämen und überprüften, ob ich noch etwas für Sie habe.“ Harmloser weise dachte ich dabei an die eine oder andere Zecke, die ich ihm nach meiner Suche geben könnte.