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Wenn ein Spiegel reden könnte

Von speedygonzalez Dienstag 22.09.2020, 09:39

Ich bin ein Spiegel und hänge an vielen Plätzen in einer Wohnung. Häufig im Flur, damit alle, die hinausgehen, noch einen letzten Blick auf sich werfen können. Auch in den Bädern bin ich immer zu sehen, leider sehr häufig recht beschlagen, so sehe ich eher weniger. Immer wieder gerne, wenn man zu zweit herein kommt und sich vorrangig um körperliche Pflege statt um Körper-pflege bemüht. Doch dann kommen meistens auch schon die Schwaden.
Am liebsten hänge ich jedoch in einem Schlafzimmer, das ist bei weitem ab-wechslungsreicher, besonders bei jüngeren Ehepaaren. Vor Jahren hatte ich einmal das Glück bei Neulingen.
Manchmal recht unbeholfen, wie er sich anstellte. Dabei wollte sie es genau, wie er. Nur weil die sich noch nie so recht drüber unterhalten hatten, ging so vieles davon in die Hose oder sonst wo hin.
Doch allmählich spielten sie sich ein. Sehr fein war es, wenn sie spielerisch mit einem Kinderzählreim die Initiative übernahm. „Es stieg eine Frau die Treppe rauf …“ Leichte Abwandlung, denn es war nicht sein Arm, wie man es bei den kichernden Kleinen macht, es war sein Bein. Auf halber Strecke musste sie ausruhen und sah sich um. Zu dunkel, sie konnte kaum etwas sehen. Voller Beinschub, weiblich, und es ging ihr ein Licht auf. „Sie stieg weiter hinauf – klopft an …“
Beim dritten Mal brauchte sie nicht mehr anklopfen, die Tür standmeilenweit auf: „Guten Tag, Herr Fitzemann.“ Hatte sie sich da nicht geirrt? Mir kamen Bedenken, denn ein Fitzemann konnte das nicht mehr sein.
Nicht lange hernach drehten die Beiden, diesmal wörtlich, den Spieß um. Ihre Beine sehr hoch, ganz in meiner Nähe, ein köstliches Bild für mich, kam er her-ab. „Es stieg ein Mann die Trepp herab.“ Kaum zu verstehen, er nuschelte es an ihrem Bein, dem Zappelnden. Ja, tut man denn so was? Richtig festhalten musste er es. „Klopft an … guten Tag, kleiner Fitzemann!“ Es mussten Polster-türen sein, wo er ihn fand.
Zu verstehen war er nicht mehr. Sie jedoch umso mehr.

Ich wurde verkauft und landete in einem Hotel.

Jedenfalls stand das draußen über der Tür. Augenfällig jedoch war, wie kurz die Gäste in der Regel blieben. Selten mehr als eine Stunde. Allmählich ging mir auf, dass einige Damen anscheinend ein Abonnement besaßen, denn sie erhielten immer dasselbe Zimmer. Nach meinen Erfahrungen aus dem Schlaf-zimmer wäre es mir lieber gewesen, dort zu hängen, aber nun …
Dann wurde es doch noch interessant, als eines späten Abends, eher sehr spät, eine Bedienstete hinter dem Tresen stand. Ein anderer Bediensteter, in Dienstkleidung gesellte sich zu ihr und ein kleines Gespräch entspann sich. Oder nennt man das eher schäkern?
Jedenfalls nahm die Situation Formen an, als seine Hand von ihrer Hüfte zu ihrem Po hinunter glitt. Wie es schien, konnte sie gut damit umgehen, denn we-nig später war die vorwitzige Hand schon unter ihrem relativ kurzen Rock, schwarz, wie sein Outfit auch. Was hat sie denn, immer dieses Drücken? Die Dame nahm es hin, oder wollte sie gar … Sie legte ihre Arme entspannt auf die Tischplatte, ihre Aufmerksamkeit ganz bei der Eingangstür. Oder sah das nur so aus? Denn da tat sich nichts, was den Beiden wohl sehr gelegen kam. Tiefer verschwand die Hand, immer noch beweglich – etwa auch ein kleiner Fitze-mann? Ihr Rücken sank mehr herab, er schob ihren Rock hoch – ja gibt’s denn so was?
Was ich nicht sehen konnte, weil vorne bei ihm, war ihre Hand, die derweil eigene Arbeit gefunden haben musste. Jedenfalls zog er ihr sehr vehement den Slip herab, hell leuchtete ihr Po in dem eher dunklen Design der Rezeption und im Nu stand er hinter ihr.
Einfädeln und Hau-Ruck. Sie hatten es viel eiliger, als die im Schlafzimmer, aber zufrieden sahen sie schon aus – hinterher, als sie alles wieder einsortier-ten.
Renovierung.
Wieder hing ich in einer Suite. Nennen wir es einmal so. Ich hing über einer sehr eindrucksvollen Stätte der Körperpflege. Zwei kleinere Kollegen hingen rechts und links von mir, wir verstanden uns blendend. Himmel, welche Un-mengen an Tiegeln und Töpfchen es hier gab. Dazu alles was man zum Auf-tragen, Tupfen und Einpudern benötigt hätte. Das könnte interessant werden, auch weil der Blick ins angrenzende Boudoir nicht gestört wurde.
Dort lag auf dem Großbett eine Dame sehr weiblichen Geschlechts, hingebrei-tet in all ihrer … vielleicht höre ich noch einen passenden Begriff. Lümmelwiese hatte ein Gast es mal bezeichnet und sich dem entsprechend mit seinem Gschpusie verhalten. Ihre Bekleidung durfte man als großzügig marginal an-sehen, betonte jedoch, was betont sein sollte. Ihr Interesse galt einer unsicht-baren Person, die sich auch dort befand. Jetzt konnte man auch hören, was er, es muss also ein Mann sein, sagte. „Habe ich selbst hergestellt.“ Er kam in Sicht ans Bett und trug ein Servierbrett mit einer Flasche und Glasschalen. „Ach …“ die Dame war erstaunt, richtete sich auf die Ellenbogen auf. Ihre Rechte spielerisch mit einer vorwitzigen Knospe ihrer Brust tändelnd. „ … Du machst Pfirsichlikör?“ Seine Kleidung, auch recht marginal, sie musste eine schwere Abmagerungszeit hinter sich haben und war auf Säckchengröße ge-schrumpft, doch das war für sie offensichtlich kein Manko, sowie ihre Blicke über ihn gingen. Wohlgefällig wäre ein passender Begriff gewesen. Mittig blie-ben die interessierten Blicke hängen, verweilten an dem kleinen Kleidungs-stück, was schwer an seinem Inhalt zu tragen hatte, so sah es wenigstens aus. Gottseidank kam er um das Bett herum, so blieb alles im gut sichtbaren Bereich.
Er schenkte ein, es floss wie Öl und reichte ihr eine Schale, goldig und süß sah es aus. „Auf einen angenehmen Abend.“ Er setzte sich lächelnd zu ihr. „Bis zum Frühstück.“ Ihr anzügliches Lächeln sprach Bände. Nach dem ersten Schlückchen ließ er einen Tropfen auf ihre Kehle fallen.
Lockend und kehlig war ihr Lachen, als er dieses Tröpfchen mit den Lippen wieder einfing.

DRAMA
Ein offenes Fenster musste genug Zug erzeugt haben und es schlug mir die Türe sprichwörtlich vor der Nase zu. Ich hätte aus dem Rahmen springen können.

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