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Nur etwas streicheln Teil 1

Von speedygonzalez Donnerstag 23.04.2020, 09:03



Wir arbeiteten schon zwei Wochen hier in der Einsamkeit eines abgelegenen Strandes. Die sonnigen Sommertage hatten wir weidlich ausgenutzt.
Er, der Fotograf und ich, sein Model. Eigentlich war die Arbeit ja mehr für ihn.
Ich mußte nur stillhalten in den Posen, die er gern von mir sah und mich ablichten oder aufnehmen wollte. Nun ja, es konnte auch stressig für mich dabei werden, wenn die Verständigung zwischen uns nicht so klappte, oder er einfach mit nichts zufrieden sein wollte.
In der Regel lief es schon angenehm, mit ihm zu arbeiten. Es machte mir überhaupt nichts aus, mich in seiner Gegenwart aus-und umzuziehen, als Modell ist man es gewöhnt, unbekleidet zu posieren. Es machte mir auch nichts, wenn er mir dabei genau, sogar sehr genau zusah. Wann, wenn nicht bei den geläufigen Bewegungen, konnte er Vorstellungen entwickeln, wie er mich aufnehmen wollte.

Natürlich gingen wir beide ohne schwimmen und be¬nahmen uns auch sonst ziemlich ungeniert. Erotische Regungen zeigte er dabei so gut wie nie, halt ein Profi, dachte ich.

Die Hütte in den Dünen hatte er uns gemietet. Wenn er in der Dunkelkammer war, sorgte ich für unser leibliches Wohl. Dort wohnten wir auch, schliefen aber nicht miteinander. Es war halt ein Job für mich und ihn.
In der letzten Woche waren dann die Bademoden abge¬schlossen. Jetzt machte er viele Aufnahmen von mir als Strandnixe für eine eigene Veröffentlichung. Auch diese Arbeit mit ihm gefiel mir.
Be¬sonders, wenn ich merken konnte, als Frau war ich ihm doch nicht so ganz gleichgültig. Da er sich mir gegenüber sehr sachlich verhielt, wurde ich gelegentlich etwas betont weiblicher, da er mich ruhig als Frau etwas mehr be¬achten dürfte.
Er war in seinen 45 Jahren ein attraktiver Mann, doch offen¬sichtlich sehr sehr zurückhaltend.
Nun - konnte mir egal sein. Nach einer etwas weniger angenehmen Erfahrung, die ich grade hinter mir hatte, stand mir sowieso der Sinn nicht unbedingt nach einer Erobe¬rung. Also ließ ich ihn schauen, versteckte mich auch nicht, Blicke ist man als Fotomodell ja schließlich gewöhnt.
Die Aktaufnahmen, die er von mir machte, die waren einfach Spitze. Er hatte mich doch sehr gut beob-achtet und verstand sein Handwerk. Das Spiel des Lichtes auf meinem Körper war einfach gelungen.

Wir arbeiteten nun schon wieder vier Stunden.
Allmählich wurde ich müde.
„Noch eine Einstellung, Heide, dann sind wir durch. Die Sonne ist auch schon sehr grell. So mein Schatz, danke. Bis um drei oder später können wir nichts tun.“
Er nannte mich immer Schatz. Nackt, wie ich war, ließ ich mich im Schatten der Hütte auf die Decke im Sand nieder. Ein leichtes Windchen fächelte kühlend um die Ecken der Hütte, im Gras ließen sich nur die Grillen hören. Pure Idylle um mich herum. Mit den Händen im Nacken war ich bald eingedöst.
Später merkte ich, wie er sich neben mich legte. Unendlich friedlich war es um uns herum.
Noch schöner, als es Theodor Storm in seinem Gedicht „Abseits“ beschrieben hatte. „ ... die Heide liegt im warmen Mittagssonnenstrahle ...“ Wie war, wo ich auch so hieß.
Seine Finger strichen mir eine kleine Strähne aus der Stirn.
„Ist was, Hans?“
„Nur etwas streicheln.“
Die Worte flogen leicht, wie ein Schmetterling daher. Ich konnte sie erst garnicht richtig einordnen und ernst nehmen.
„Nur etwas streicheln.“
Er, der so Schüchterne, so Neutrale?
Irgendwie war mir wohlig warm, ich konnte es mir sogar vorstellen, oder gar ...?
Seine Hände kannte ich ja schon. Oft genug hatten sie mich in eine andere Haltung geschoben, mehr Licht, mehr Schatten, mehr Ausdruck ... es waren feinfühlige Hände.
„Streicheln?“
„Nur etwas streicheln.“
Entspannt atmete ich aus und hielt die Augen geschlossen. Nur etwas streicheln wollte er also. War ja allgemein als etwas Angenehmes bekannt. Wo würde ich es zuerst spüren? Müde und matt war ich, einfach angenehm matt, genoss die Ruhe und wartete.
Ein Finger strich mir so sanft über die Wange, ich meinte zuerst, es wäre ein Tierchen. Nein, es war die Außenseite seines Fingers.
Innerlich folgte ich ihm. Noch ein paar Mal folgte ich ihm, dann war er an meinem Hals, wo eine Ader pochte und fuhr rundherum. Konnten das Männerhände sein? So zart?

Fortsetzung folgt

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