Neo, und nun?
Von
speedygonzalez
06.08.2023, 15:15
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speedygonzalez
06.08.2023, 15:15
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„Ach ja, das wär's noch: Du machst die Tür auf und eine Horde Pressefuzzis stürmt herein und ich habe offensichtlich nur deinen Bademantel an.“
Spitzbübisches Lachen, auf den Mund gefallen schien sie nicht zu sein.
„Und dann die Fragen ... da wären die, um die Rettung, die Unwichtigsten, was meinst Du?“
„Genau, Elena, die würden sich für unseren After-Eventservice weitaus mehr interessieren. Ich rufe mal einen Chirurgen, den ich kenne, dort an. Der kann mir mehr sagen.“
Elena sah ihn fragend an.
„Ich bin Physiotherapeut. Hallo Dr. Eller, hier ist Brand. Da ist doch heute ein Kind eingeliefert worden, das am Wehr fast ertrunken wäre. Wissen Sie mehr darüber?“
Engelbert drückte auf die Lautsprechertaste.
„Ach, Sie sind's. Ja, soviel ich weiß ist der Kleine unbeschadet davon gekom-men. Aber wieso fragen Sie? Waren Sie auch da?“
„Doch ich habe es auch gesehen.“
„Muss ja toll gewesen sein, erzählen Sie, ich war leider nicht da.“
Engelbert sah Elena an und die zuckte die Schultern.
„Herr Dr. Eller, ich kann Ihnen tatsächlich mehr darüber berichten, aber ich hätte gerne die Anschrift des geretteten Kindes.“
„Wieso das?“
„Sie haben doch gehört, dass ein Neufundländer, ein so richtig riesiges schwarzes Biest bei der Rettung mit dabei war ....“
„Doch ja, der soll zuerst an dem Kind gewesen sein, er hat danach getaucht und ihn wieder heraufgeholt ...“
„Herr Doktor, dieser Hund, Neo, wie er heißt, liegt hier zu meinen Füßen und die Frau, die ihm nach gesprungen ist, sitzt hier neben mir. Beide sind auch wohlauf, auch wenn es sehr knapp war.“
„Waaaaas? Siiiie waren das? Und diese attraktive junge Frau, die hätte es doch auch fast mitgenommen! Herr Brand kommen Sie unbedingt ins Rathaus, dort sitzen alle und versuchen, die zu finden, die an der Rettung so maßgeblich mitgeholfen haben.“
„Sind die Eltern auch da?“
„Vermutlich ...“
„Wie kommen wir da ohne Presserummel hin?“
„Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Herr Brand: ich hole Euch ab, mein Wagen hat getönte Scheiben und ich sage im Rathaus Bescheid, dass sie einen Sei-teneingang offen haben.“
„Gut – sagen wir in zehn Minuten bei mir?“
„Dann sind deine Sachen nämlich trocken, Elena. Wie heißt Du mit Haus-namen, ich würde Dich dann gern vorstellen.“
„Elena Bayersfelder. Eventuell könnte man im Rathaus auch dafür sorgen, dass die Hundeleine wiederkommt, die ich dabei hatte.“
Als sie sich umgezogen und die Haare geföhnt hatte, sah sie wieder aus wie vorher, doch die Brustwarzen stachen wieder genauso frech durch ihren Body. Elena sah es und runzelte die Stirn, sah ihn an ...
„Hast Du einen Schal?“ Sie wurde auch etwas rot dabei.
„Komm mal schauen, was dir passt.“
Er hatte etwas, was sie locker um den Hals und dennoch über die Brust hängen lassen konnte.
„Geht doch ... auch wenn Du mir ohne besser gefällst.“
Elena lächelte.
„Unter der Dusche hast Du mir auch gut gefallen und … ich hätte nichts dagegen, es noch einmal so zu haben, auch ohne Wehr vorher.“, ... und verschmitzt lächelnd ..., „und ohne Gegenwehr.“
Ihr Gesicht war so einladend, dass er es grad in die Hände nahm und ihr einen Kuss auf den Mund pflanzte.
„Solltest Du Dich nicht auch etwas anhübschen?“
Frauen halt. Aber er war kaum fertig, als die Türglocke ging. Dr. Eller begrüßte sie beide recht neugierig und drängte dann zur Fahrt. Mit dem Neufundländer wurde es dann aber doch eng im Auto.
„Die sind alle sehr gespannt auf Euch.“
Am Seiteneingang, wo sich niemand aufhielt, alle Reporter waren in der Ein-gangshalle, kamen sie ungesehen zum Senatssaal. Die ganze Hierarchie war vertreten, alle Oberhäuptlinge und die Eltern mit dem Jungen. Alle applau-dierten, als sie eintraten. Engelbert nahm Elena bei der Hand und führte sie zum Oberbürgermeister.
„Darf ich bekannt machen: Frau Elena Bayersfelder und noch wichtiger Neo, der Neufundländer. Wenn er nicht gewesen wäre, ständen wir alle jetzt nicht hier. Er ist nach dem Jungen getaucht und hat ihn aus dem Wasserstrudel heraufgeholt.“
Neo interessierte das alles nicht so sehr. Er war zu dem Jungen gegangen, winselte nun und leckte ihm über das Gesicht. Alle sahen perplex zu. Der Junge wußte nicht, wie ihm geschah, aber er freute sich und als Elena den Hund rief, hielt er sich an seinem Fell fest und kam mit. Elena kniete sich und sah den Jungen an.
„So, Du bist das also ... komm her.“ Sie nahm ihn in die Arme. Alles war still im Raum und sah gerührt zu. Dann ließ sie ihn aus und sah ihn wieder an.
„Aber Du steigst nicht mehr auf die Mauer, gell?“
Der Junge schüttelte nur langsam den Kopf. Mit einem Klaps auf den Po entließ sie ihn zu seinen Eltern, ging aber hinter ihm her. Der jungen Mutter liefen die Tränen über das Gesicht, sie umarmte Elena stürmisch und dankte ihr wieder und wieder.
Als die Wogen sich etwas geglättet hatten, wurde gefragt, aber was sollten sie zu ihrer spontanen Reaktion auf eine Gefahr groß erzählen ... etwa, dass ihm die Kniekehle so geschmerzt hatte? Die Wahnsinnsangst um sie, die Unbe-kannte, die er gehabt hatte? Dass sie sich nichts dabei gedacht hatte, in dieses viel zu kalte tobende Wasser zu springen? Sie wußte, dass Neufundländer sehr gut apportieren können und war mit ihm gesprungen, sonst wäre er wohl kaum ins Wasser gegangen, denn trainiert war er nicht und als sie ihn zu dem Kind gewiesen hatte, war er aus seinem Instinkt heraus los geschwommen. Die Stimmung wurde erst lockerer, als der Sekt herumgereicht wurde.
„Eine Frage, eher eine Bitte habe ich aber noch an Euch. Ich hätte gerne ein paar Bilder für das Archiv und der Stadtschreiber soll eine Zusammenfassung dazu schreiben. Natürlich sollt ihr sie gegenzeichnen.“
Als das auch getan war, sagte der Oberbürgermeister noch.
„Ehrenmedaillen kann ich nicht vergeben, aber wenn ihr einen Wunsch hättet ... so will ich sehen ... “
„Och, da wüsste ich was ...“, meinte Elena trocken, „wenn die Stadt auf die Hundesteuer verzichten würde, wäre ihm das lieber, als eine Medaille und die Hundeleine, die dort zurück blieb.“
Alles lachte und die bekam sie.
„Dann dürfen wir nun die Presse hereinlassen?“
Da war nichts zu machen und auch das ging vorbei. Engelbert meinte, dass die Zuschauer, denen er gar nicht so freundliche Worte attestierte, wohl mehr zu sagen hätten, als sie, die etwas unternommen hätten.
Hernach vor dem Rathaus. Sie standen da im Abendsonnenschein und es fehlte ihnen ein wenig der Übergang. Doch dann raffte Engelbert sich auf.
„Ich habe den Eindruck, wir haben uns noch mehr zu erzählen. Was meinst Du zu einem netten Abendessen. Neo dürften wir heute zu Feier des Tage wohl überall mit hinnehmen ....“
„Und wir wären keine 20 Sekunden für uns und das, mein lieber Berti, ist mir nach all dieser Turbulenz nicht das, was ich gern hätte. Ich mach Dir einen Vorschlag. Wir gehen zu mir und ich mache uns eine Kleinigkeit. Neo kann dann pennen, was er sowieso gern tut und wir … wir sehen dann weiter, ich glaube, da war noch was.“
Sie drängte sich in seine Arme – ja, da war noch was.