Neo, am Fluß ...
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speedygonzalez
Samstag 05.08.2023, 14:47
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speedygonzalez
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„Neo?“ Der Hund sprang hoch und leckte ihr das Gesicht. Engelbert zeigte auf den Rock von ihr und als er ihn von einem der Gaffer bekam, nahm er dieses zitternde Häufchen Elend und führte es, abgelenkt durch die Hilfe für den Jungen, ganz vorsichtig zu seiner Wohnung. Neo folgte. Von dem lobenden Geschwätz der Umstehenden, dem Schulterklopfen bekam er nichts mit. Und die junge Frau, benommen, wie sie war, auch nicht. An der Haustür gab’s Pro-bleme, mit den zitternden Fingern und dem Schlüssel.
Neo schüttelte sich noch einmal, Sprühregen verteilend und dann waren sie drin. Langsam kam sie bei.
„Wir gehen jetzt allesamt ins Bad ...“, bibberte er, „und unter die Dusche, unter eine heiße Dusche – nein keine Widerrede, so machen wir es. Und Neo kommt in die Badewanne.“
Engelbert öffnete die Dusche und schob sich mit der zitternden Frau hinein. Dann drehte er sich um und zeigte auf die Badewanne.
„Komm, Neo – Platz.“ Und der nasse Hund folgte ihm! Er folgte ihm tatsächlich, sprang in die Wanne und legte sich hin, ließ ihn und Frauchen aber nicht aus den Augen. Engelbert schloss die Tür und drehte das Wasser sehr warm. Er selber fror auch entsetzlich, denn der nasse Hund war an ihm entlang tropfnass nach oben gezogen worden, Kaskaden von Wasser über ihn schüttend. Wie mußte es ihr erst mal ergehen!
„So, jetzt wird es besser.“
Die warme Dusche über beiden, ihren Kopf an seiner Brust, ließ er das Wasser laufen. Irgendwann zog er ihr den Mantel aus und ließ ihn fallen, sie stand in ihrem dünnen Seidenbody immer noch an ihn gelehnt und hielt sich fest. Dann folgte sein T-shirt. Das heiße Wasser war eine Wohltat und er spürte, wie sie langsam erwachte und wieder etwas Leben bekam. Die Haare vor ihm, diese lockige braune Schopf sah auch nicht mehr besonders aus und so nahm er sein Shampoo und wusch ihr den Kopf. Mittendrin hob sie den Kopf und sah ihn durch die Shampooflocken an.
„Danke – das wäre fast daneben gegangen.“
„Das wäre sicher daneben gegangen.“
Sie sah ihn erschreckt an.
„Bei vier Grad Wassertemperatur hält man das knapp drei Minuten aus, aber nicht in einem solchen Hexenkessel von Schmelzwasser. Sogar der Hund hatte ernste Probleme und der müßte das noch am ehesten können.“
Er hielt sie auf Armeslänge von sich und sah sie aufmerksam an. Bemüht, nicht zu sehr auf ihre harten Spitzen zu starren, ganz zu schweigen von dem betö-renden Rest.
„Ist Dir wieder warm?“
Sie nickte. Auch sie war sich der bizarren Situation bewusst.
„Dann sollten wir es folgendermaßen machen. Ich geb Dir einen Bademantel, dann waschen wir den Hund eben ab und dann gibt es Kaffee oder sonst was Wärmendes, ok?“
„Neo braucht so was ….“
„Der wird gebadet – Du hast nicht gesehen, wie der aussah, nach dieser Drecksbrühe ... hochgehendes Schmelzwasser bringt alles mit, nur kein klares Wasser.“
Bestimmt und freundlich machte Engelbert klar, was gehen sollte und stieg aus, nahm einen Bademantel und reichte ihn ihr. Er selber schlüpfte in einen ande-ren. Dann nahm er die Handbrause und kniete sich vor die Wanne.
„Neo, Du bist ein guter Hund, ein wirklich starker Hund und Du hast einen kleinen Jungen gerettet.“
Der Hund sah ihn an und wedelte.
„Komm – auf.“ Meinte er und der Hund erhob sich. Die Frau, noch damit be-schäftigt, sich unter dem Bademantel den Body abzustreifen und abzutrocknen, staunte nicht schlecht, wie der Hund den ihm unbekannten Befehlen eines Fremden gehorchte. Engelbert stellte die Handbrause an und lobte den Hund weiter, während er ihm das Fell mit klarem warmen Wasser auswusch.
„Unten in dem Schrank liegt ein alter Bettvorleger. Kannst Du mir den eben geben?“
Die Frage ging an sie und sie kam, den Bademantel immer noch offen, mit dem Gewünschten zu ihm. Bevor der Hund sich wieder schütteln konnte, hatte Engelbert ihm den Bettvorleger über den Rücken geworfen und trocknete ihn ab.
„So – jetzt kannst Du raus.“
Eine begleitende Bewegung und der Hund sprang aus der Wanne.
„Brav, Neo.“
Er nahm den alten Bettvorleger und die Matte vor der Wanne und ging hinaus. Der Riesenhund trabte hinterher und als er die Sachen am Balkon in der war-men Sonne ablegte, war er mit dem gleichen Grunzen, wie vor der Staumauer schon drauf. Engelbert brachte ihm noch eine Schüssel mit Wasser und lies ihn liegen.
„Und nun sind wir dran ... Kaffee oder was Schärferes. Er wies auf das Tisch-lein, wo einige Flaschen standen.
„Was hältst Du von beidem? Einen Kaffee und einen Martell?“
„Sehr gut – möchtest Du hier warten oder mit in die Küche kommen?“
Sie wies auf das Sofa.
„Wenn ich hier warten darf? Ich bin recht kaputt.“
„Klar, mach es Dir bequem.“
Als er mit allem zurückkam, war sie eingeschlafen. So konnte er sie einen Mo-ment in aller Ruhe ansehen. Die Haare, noch feucht, da sie sie nicht geföhnt hatte, der Bademantel von ihm, der nicht verheimlichen konnte, wie apart sie war. Die langen Beine in dem Mantel, der etwas aufgegangen war, waren das Hingucken wert. Den Body hatte sie auch nicht mehr an. Die brünetten Haare mußten getönt sein, ihr kleines Pelzchen war sehr rot. Entzückend! Engelbert zügelte sich und klapperte mit dem Geschirr und sie erwachte wieder. Auf dem Sessel neben ihr nahm er Platz und hob sein Glas.
„Nun gibt es mehrere Anlässe: auf die tapfere Frau, die ohne zu Zögern in den Fluss sprang, um ein Kind zu retten, dann darauf, dass sie das Kind retten konnte, dann darauf, dass sie selber auch gerettet werden konnte und ... wie heißt Du eigentlich?“
„Ich heiße Elena. Ich bin überglücklich das Neo das Kind heranbringen konnte und dass Du da warst, um es anzunehmen. Und ...“ hier zitterte ihre Stimme doch etwas ... „dass Du da warst, um mich herauszuziehen, ich hätte es nicht mehr gekonnt. Wie ... wie heißt Du eigentlich ...?“
„Engelbert.“
„Danke Engelbert, auf dein Wohl und auf das des Kleinen. Wie mag er es überstanden haben?“
So ging es eine Zeit lang weiter. Fragen um Fragen, die Kanne wurde leer. Der Bademantel ging hin und wieder auf und seine Gedanken schweiften ab. Elena sah es sehr wohl und war gar nicht abgeneigt, dass nach diesem Erlebnis seinen Gedanken und Augen auch die Hände folgen dürften. Fand er auch, doch da waren noch andere Dinge, die sich im Vordergrund hielten.
„Elena, was meinst Du, sollen wir Deine Sachen eben in den Trockner tun, damit Du etwas zum Anziehen hast?“
„Ach ja, ich sitze hier und fühle mich wohl in Deinem Bademantel und die Sachen liegen noch im Bad herum.“
„Keine Ursache, sieh Du mal nach Neo und ich mache das eben.“
Er ging und warf ihre Kleider, nachdem er sie noch einmal durchs Wasser gezogen hatte, in den Trockner. Sinnliche Bilder mit ihr zogen durch seine Ge-dankenwelt. Als er wieder herüber kam, sah er eine junge Frau, die ihren gro-ßen schwarzen Neufundländer knuddelte. Ihre schlanken Beine sahen bis hinauf aus dem Bademantel heraus, wunderschön waren sie und es wärmte ihm ganz spontan den Bauch. Je mehr sie auftaute, umso erfrischender em-pfand er sie.
„Sag mal, Engelbert, ob wir vielleicht im Krankenhaus anrufen könnten? Ich würde gern wissen, wie es dem Jungen geht.“
Sie drehte sich dabei mehr zu ihm herum und der Bademantel ging noch weiter auf. Sein Blick traf sie.
„Warum nicht, aber es wäre besser, wenn Du dann Deine Kleider wieder anha-ben könntest, denn es könnte sein, dass wir hernach Besuch bekommen, Polizei, Eltern, und was Gott verhüten möge, die Presse.“
Sie sah an sich herunter und schloss die Beine und den Mantel etwas. Ein Blick zu ihm und sie konnte erkennen, dass er sie wahrgenommen hatte.