Kur, wie zur Erholung
Von
speedygonzalez
Donnerstag 09.09.2021, 15:58
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speedygonzalez
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Heute, Dienstag, ist An-und Abreise im Sanatorium. Es ist ein rechtes Gedränge von Menschen, die sich umarmen und sich alles Gute wünschen, die Gehenden, die Bleibenden, wie die neugierig Kommenden. Zur Mittagszeit ist alles geregelt.
Berenice hat ihr Zimmer bezogen und vom Balkon aus zugesehen und abgewartet. Wie wird es sich entwickeln? Wird es etwas für Berenice, angenehm, exotisch-erotisch? Ein Kribbeln durchläuft sie. Dieses Kribbeln tiefer unten in ihrem Bauch kennt sie. Für sich nennt sie es ihr Kätzchen, das da schnurrt oder unruhig mit der Schwanzspitze schlägt. Sie kann sich sehr gut auf diese Meldung verlassen, die sie von Mimi bekommt. Also wartet sie ab.
Neugierig auf ihre Tischnachbarn geht sie zur Essenszeit hinunter, findet ihren Tisch und eine ältere Dame dort. Die Augen gesenkt, die Hände im Schoß gefaltet, die grauen Haare zu einem Knoten im Nacken zusammen genommen. Auf dem Tischkärtchen steht „Ackermann“.
„Guten Tag, Frau Ackermann, ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit hier“
„Guten Tag“, kaum dass sie die Augen hebt und die Stimme muss man mehr ahnen, als hören.
Na, das wird ja prächtig, denkt Berenice, noch zwei von der Sorte und ich ziehe um. Unruhig geht Mimis Schwanz Spitze.
Auf dem Tischkärtchen gegenüber steht „Gärtner“. Also eine Ackermann und eine Gärtner sitzen ihr gegenüber, auf ihrem steht „Müller“ und neben ihr - ach, wie nett - „Mönch“. Eine reine Ansammlung von ehrenwerten Berufen, oder Berufungen denkt sie noch.
Doch dann kommt ein Lichtblick, die Gärtner ist ein Gärtner und er sieht verdammt gut aus. Mimi gib Ruhe! „Guten Tag, Gärtner ist mein Name. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Zeit.“
„Danke.“ Frau Ackermann ist kaum zu hören und sie zieht sich noch mehr zusammen.
„Danke, Müller, Ihnen auch.“
Und da kommt auch schon der Mönch, eine Mönch. Sie ist etwas pummelig, macht aber einen fröhlichen Eindruck. Sie sieht das Tischkärtchen und mustert geschwind die Anderen der Runde.
„Guten Tag, Mönch, sieht aber nicht so aus.“
„Kann ja noch werden.“
Gärtner frotzelt und die Stimmung hellt sich etwas auf. Sein Gesicht zeigt Heiterkeit.
Berenice wurde sie getauft und zuerst war ihr der Name wenig wert. Das ist jetzt anders. Die Herkunft dieses Namens hat sie einiges gelehrt. Als Frau eines Pharao hatte ihre Namensträgerin nach der Legende alle erdenklichen Annehmlichkeiten. Das bezog sich beileibe nicht nur auf die Huldigung, den Respekt, die leiblichen Genüsse des Magens und der körperlichen Pflege, es schloss ebenso ein, sich ihre sexuelle Ausgeglichenheit auch von einem Nubier oder einem Alemannen bringen zu lassen. Eheliche Treue bezog sich allenfalls auf den Nachkommen des Pharao.
Ihren Pharao hat Berenice damals schon geliebt, sehr sogar, so hat sie den Göttern ihr langes Haar versprochen, wenn er heil aus dem Kriege wieder heimkehren würde. Die Götter waren huldvoll, Berenice schnitt ihr langes Haar ab und opferte es den Göttern in einem Tempel. Am nächsten Tag war es verschwunden. Seit dem wird ein Sternbild nahe dem Nordpol nach ihr benannt.
Von den Annehmlichkeiten ist für Berenice im Moment nur ihre sexuelle Ungebundenheit von Belang. Ihr Haar trägt sie meistens aufgesteckt, besondere Note für ihren Hals. Wenn es ihr beim Tanzen sehr gut geht, läßt sie sie auch fliegen. Meine langen Haare habe ich noch. Ich denke nicht daran, sie eines Mannes wegen abzuschneiden, denkt Berenice. Ein solcher ist ihr noch nicht begegnet. Ich bin so frei, könnte sie im übertragenen Sinne sagen, mir meine Lust und Befriedigung wie Berenice zu suchen und zu holen, bei wem ich will.
Na, das sieht ja prächtig aus, denkt Sebastian. Von der Ackermann kann jede graue Maus noch lernen. Die macht den Eindruck, als sei sie in der Verbannung. Gottlob sind die beiden anderen etwas lockerer. Die Mönch scheint eine lustige Ader zu haben. Mit der könnte man einen netten geselligen Abend verbringen und die Zeit bis zum Frühstück auch. Und die Müller, hm, die sieht nur so harmlos aus. Ich vermute, mit der könnte man mehr als nur einen netten geselligen Abend verbringen und mit ihr auch noch das Frühstück vergessen.
Die Kur lässt sich gut an, die Tischrunde weniger. Nur der Gärtner, Berenice gegenüber, ist ein Lichtblick. Er hat anscheinend die gleichen Anwendungen, wie sie, denn sie sehen sich fast den ganzen Tag. Mit ihm kann man sich wenigstens unterhalten. Freundliche Augen hat er, ihr Interesse an dem Mann wächst.
Seines an ihr ist offensichtlich, so wie seine Augen ihren Bewegungen folgen. Mimi sei friedlich! Zudem hat er sein Zimmer zwei Türen neben ihrer. So gehen sie zufällig auch häufiger zusammen zu den Anwendungen.
Routine kehrt ein und allmählich sinnt Berenice auf weitere Ansprache. Es will ihr niemand anderes, als ihr Tischnachbar einfallen. Mit dem würde sie gern mehr, als nur Spazieren gehen. Anwendungen – sie hat Lust auf andere Anwendungen. Mimi ist aufmerksam.
Seine Blicke tun ihr gut. Bei der Gymnastik und im Schwimmbecken fühlt sie diese Blicke, anders als bei den weiteren Teilnehmern über ihren Körper gehen. Gänsehaut will aufkeimen, noch nicht sichtbar, aber sie kennt die Signale. Von der Sauna, die sie zusätzlich besuchen, ganz zu schweigen. Dort sah sie mit Interesse sein gänzlich haarloses Geschlecht, eine Seltenheit immer noch. Doch, er gefällt ihr sehr. Mimi, ja ich bin im Bild!
Sauberes Weibchen denkt Sebastian. Mein Gott, hat die einen eleganten Körper. In der Sauna muss ich mich sehr zusammen nehmen, so sehr reizt sie mich. Und dieses kleine V aus dunklen Haaren, wie Victory, über ihrem Spalt, ist schon ein Hinkucker. Lieber nicht zu viel hinsehen, sonst wird’s zu deutlich, wie mir es gefällt.
Ein paar Mal wird am Tisch über den Austausch von Zärtlichkeiten anderer Kurteilnehmer gelästert. Kurteilnehmer, die nicht zusammen gekommen sind und auch nicht zusammen gehen werden. Gehen schon häufiger, aber nur in eines der beiden Zimmer.
Ob ich ihm ein paar kleine Tipps geben soll? Berenice denkt darüber nach. Wir sitzen nicht am Gang und eine halbhohe Balustrade schirmt den Tisch und unsere Beine ab. Ich denke, ich kann es unauffällig versuchen, mit ihm zu ‚fußeln‘.
Dann geht es doch einfacher, er lädt sie zum Tanzkaffee ein und sie verbringen einen wirklich beschwingten Nachmittag. Er tanzt gut und sie liegt sicher in seinem Arm. Bei dem Gerempel, das gelegentlich passiert, werden sie zusammengedrückt. Anfänglich mit einem ‚Entschuldigung‘, quittiert, später mit einem Lächeln. Der Arm kommt dichter um sie herum und ihr Kopf liegt an seiner Schulter.
Ha, so geht es schon eher, denkt Berenice. Mein Decolletté gefällt ihm und statt der Augen würde er sicher lieber mit den Händen ... Mimi halt Ruhe. Sie schmiegt sich an ihn. So kann sie ihn besser fühlen.
„Hast du nach dem Abendessen noch etwas vor?“
Mit seinem Mund an ihrem Ohr er fragt beim nächsten Tanz leise. Das allein macht ihr schon eine echte Gänsehaut. ‚Nein‘ signalisiert ihr Kopf an seiner Schulter.
„Magst du mit mir spazieren gehen?“ Seine Lippen berühren ihr Ohr, fast ist es ein Kuss.
Eine lange Drehung im Langsamen Walzer, sie sieht ihn an. „Oder weißt du noch was Besseres?“
Er läßt ihre Augen nicht los, seine Schritte zwischen ihren Beinen werden immer länger, kommen an.
„Wir könnten auch ins Bett gehen.“
Leicht und obenhin kam seine Anmerkung. Wieder eine lange Drehung, sie läßt sich von ihm darin herumtragen.
„In deines oder meines?“
Jetzt hält sie seine Augen fest und es zündet zwischen ihnen.
Seine Hand in ihrer Taille drückt sie fester, so gleiten sie dahin.
„In deinem fühlst du dich vermutlich wohler?“
Sein Lächeln erwärmt sie. In Gedanken sieht sie ihn, nackt, wie in der Sauna, auf ihrem Bette liegen. Doch ohne die erzwungene Zurückhaltung dort, nun auch äußerlich in hellem Aufstand.
„Warum dann warten bis nach dem Abendbrot?“
Ganz leicht dahin kommt ihre Frage.
Einverstanden sagen ihr seine Augen.
„Komm, gehen wir.“