Capuccino
Von
speedygonzalez
Donnerstag 30.03.2023, 16:41
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speedygonzalez
Donnerstag 30.03.2023, 16:41
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Ein warmer Sommernachmittag, eher noch wärmer. Markus war mit seinen Einkäufen fertig und genoss das eilfertige Volk, welches am Café vorbeiging. Dazu ein Cappuccino vor ihm und die Welt war in Ordnung. Gab es was Schöneres? Eventuell, wenn man die Fleischeslust mit in Betracht zog. Da konnte man ja mal schauen, denn die gab es immer. Oder anders gesagt, einige der Flanierenden luden schon ein, sich Gedanken über weitere genüss-liche Möglichkeiten zu machen.
Das Café war gut besetzt, kaum noch ein Tischlein frei. Überall plaudernde Menschen, die dem emsigen Treiben zusahen.
Fast wären sie ihm entgangen. Da kamen sie, zwei Schönheiten, Taschenbehängt und sahen sich unentschlossen um, kein Tischlein mehr frei.
Sofort nahmen die Herren an den anderen Marmortischlein Haltung an, zeigten markige Kinnpartien, tranken mit abgespreizten Armen, lachten lauter und begannen mit der Fernbalz.
Eigentlich amüsant, ging es ihm durch den Kopf, aber so geht das nicht, das macht keinen Eindruck auf die beiden.
Er erhob sich.
„Hallo, ihr netten Geschöpfe, da seid ihr ja. Setzt Euch zu mir. Eine bessere Sicht werdet ihr nicht bekommen und den ersten Kaffee habt ihr gratis. Also?“
Überrascht sahen sie ihn fragend an, sahen sich an, wieder den freundlichen Mann. Schlecht sah er ja nicht aus, sie zuckten die Achseln und setzten sich lächelnd zu ihm. An den anderen Tischen wurden die Haltungen wieder ent-spannter, enttäuschter. Musternde Blicke flogen zu ihm, die Ohren wurden länger.
„Also, was möchtet ihr trinken, Kaffee, Campari oder Cuba libre?“
„Also nicht nur den Kaffee?“
Unentschlossen fragend einerseits, doch erst mal zufrieden, in dem vollbe-setzten Café hier einen angenehmen Platz gefunden zu haben, sahen sie sich an. Dann nahm das Wohlgefühl die Oberhand, auch die an einem Flirt, denn so ähnlich sah es aus.
„Dann einen Campari.“
Meinte das schmale Gesicht mit den langen dunklen Haaren. Musternde braune Augen trafen ihn.
„Ich auch.“ Kam es von Blondie, der kleineren, nicht weniger wohl proportio-nierten. Schalk in den kornblumenblauen Augen, gespannt, was noch kommen möge.
Beiden war die Art der Einladung nicht entgangen. Solche Aufforderung bekam man seltener, sie kannten sich mit den üblichen Gepflogenheiten weit genug aus, um sicher zu sein, ein weiteres Angebot oder Nachfrage würde kommen. So warten sie erst einmal ab.
Beiden hatte er die Plätze neben sich und gegenüber angeboten, so viel ihm die Unterhaltung leichter, als mit den Augen hin und her zu pendeln, wie ein Scheibenwischer im Regen. Markus bestellte drei Campari und eine Flasche Sodawasser.
Der Ober servierte, sie prosteten sich zu.
„Wie darf ich euch anreden, meine Schönen? Es unterhält sich einfacher.“
Das schmale Gesicht mit den dunklen Haaren spielte noch mit dem Campari Glas. Einen schnellen forschenden Blick warf sie ihn zu. Zeit verliert er an-scheinend keine, ging es ihr durch den Kopf.
„Beate, Bea, reicht aber auch. So förmlich ist man heute nicht mehr.“ Leicht freundliches Lächeln.
„Und Du?“
Er blickte weiter zu Blondie, die ihn auch einzuschätzen versuchte.
„Elisabeth, aber Liese tut es auch und danke für den Campari. Das ist genau das Richtige für den Moment. Und Du, wie können wir dich anreden?“ Hier war scheint's die höhere Selbstsicherheit. Die Augen taten es kund.
„Markus, oder wie bei euch, Mark.“
Er hob sein Glas.
„Auf einen schönen Nachmittag.“
Wieder sahen sie ihn an, dankten und tranken ihm zu.
„Die Einladung war schon originell. Wie kamst Du darauf?“
Liese, die etwas Burschikosere fragte. Beate stimmte kommentarlos zu.
Mark sah beide an, er lächelte.
„Tja - das Leben ist kurz, die Jugend noch kürzer und Gelegenheiten, die man nicht wahrnimmt, sind dahin.“
Liese sah ihn fragend an. Bea blickte weg.
„Stimmt es nicht? Hast Du nicht auch schon einmal gedacht, den hätte ich gern kennen gelernt? Oder seine Hände hätte ich gern gespürt?“
Liese hob erkenntnissinnig die Schultern an.
„Und Du hast es jetzt erfahren, Bea, nicht wahr?“
Ihre braunen Augen bohrten sich in seine.
„Wie kommst Du darauf?“
„Deine Haltung – deine Stimmung verrät es.“
Bea holte tief Luft. Ihr Dekolletee wurde rot.
„Komm, Bea - Friede - Freundschaft - es ist nicht bissig gemeint.“
Heftig atmete sie aus, sah weit in die Ferne. Ihre Haltung entspannte sich nur wenig.
Mark hielt ihr die Hand hin.
„Darf ich?“ Als sie etwas zögerte, nahm er ihre. Nach etwas Sträuben ließ sie sie ihm.
„Bea, das Leben ist kurz, die Jugend noch kürzer und Gelegenheiten kommen nicht wieder. Bist Du offen für ein intensives Gespräch?“
Zaudern in ihrem Gesicht, ein Blick zu Liese, die offen und interessiert beob-achtete. Sah man da ein Nicken?
Mark ob sein Glas, die beiden Mädels folgten ihm.
„Auf einen schönen Nachmittag.“
Sie dankten ihm, sie tranken mit.
„Bea ...“, Mark hatte ihre Hand nicht losgelassen und sein Daumen ging leicht über ihren Handrücken. Der Trubel um sie herum war vergessen. „Wenn ein Boxer einen Tiefschlag erhält, kann er zu Boden gehen. So etwas ist dir jetzt passiert, nicht wahr?“
Mit ihren großen dunklen Augen sah sie ihn an. Die Wahrheit, die Enttäu-schung stand in ihnen zu lesen. Unruhe in ihrer Hand war für ihn zu spüren.
„Er kann nun liegen bleiben und sich auszählen lassen. Ein guter Boxer steht aber auf. Vielleicht ruht er sich beim Anzählen etwas aus, aber er steht auf.“
Sie sah ihn an, abwartend.
„Jetzt denk mal an Bäume und Bambus. Bei Orkanen haut es Bäume eher um als Bambus. Der biegt sich mächtig, bleibt aber stehen und reckt hernach seine Spitze weiter nach oben.“
Mark machte eine Pause.
„Da wäre noch ein Beispiel. Wenn einem ein lieber Hund stirbt, sagt jeder Kenner, soll man sich sofort einen neuen anschaffen.“
„Mir ist kein Hund gestorben. Als ich aus dem Urlaub kam, lag ein Zettel auf dem Tisch, dass er mich nicht mehr braucht.“
Bea fauchte ihn fast an. " ... nicht mehr braucht." Sie warf die Haare in den Nacken. Doch ihre Hand ließ sie ihm.‘‘‘
„Ausgesprochen rüde, würde ich sagen. Der Effekt ist aber sehr ähnlich. Das Objekt deiner Zuneigung, deiner Zärtlichkeit ist weg. Da fehlt etwas. Zuge-geben: Liebe kann man nicht auswechseln, das braucht Zeit. Aber da ist noch etwas Wesentliches ...“
Mark machte wieder eine Pause, sah Liese und Bea an.
„Als Kind bist Du mit jedem Wehweh zu deiner Mutti gelaufen. Und was hat sie gemacht? Sie hat dich in die Arme genommen. Das Wehweh konnte sie nicht wegmachen, aber Du fühltest dich angenommen – das ist es, was Du jetzt brauchst.“
„Meine Mutti nimmt niemand mehr in die Arme.“
„Dafür gibt es jetzt andere, Liese zum Beispiel. Sie hat dich doch zu diesem Bummel aufgefordert, stimmt doch oder?“
Mark hatte damit gepokert, lag aber richtig.
Bea dachte nach. Ihre vordem eher hoheitsvoll steife Haltung sah nun eher schlank, als hoheitsvoll aus, doch sehr ansprechend. Liese sah interessiert zu.
„Ist meine Hand schlimm für dich?“
Sie sah ihn an, er drückte ihre Hand etwas. "Nein, ist sie nicht." Und sie blieb.
So weit, so angenehm, ging es ihm durch den Kopf. Wie sie wohl aussehen, mit oder gar ohne …?
"Was habt ihr Hübschen den eingekauft?" Der Namenszug auf den Taschen kam ihm bekannt und elegant vor. Die beiden wurden wieder lebhafter.
"Was Neues für den Strand."
"Dann solltest ihr es ausprobieren."
"Hat heute keinen Zweck mehr." Liese schüttelte den Kopf, Bea sekundierte. "Wieso ...?"
"Ach, bis man mit dem Bus rausgefahren ist und mit allem drum und dran, ist die Sonne weg."
"Dann kann ich euch einen Vorschlag machen. Mein Wagen steht um die Ecke und mein Haus liegt draußen am Strand, ein Pool ist auch da. Besser und leichter bekommt ihr nicht mehr an eine Premiere, ... ist vielleicht auch eine von den Gelegenheiten, die man einmal bekommt."