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ACH WIE ES KAM

Von egalis Samstag 03.04.2021, 16:44

Ach, wie es kam,
Und wie es so ganz mich gefangen nahm
Ich weiß es nicht!
Es kam der Lenz mit verwirrendem Licht
Und warmem Hauch.
Und mit ihm, da kamen die Blätter auch,
Und auf den Blättern, da stand´s geschrieben.
Daß ich dich sollte unsäglich lieben.
- So wird es wohl gekommen sein.
Ich mag mich nicht mehr in Gedanken versenken
Und ohne zu denken,
Bin ich nun dein?

Und wie es kam,
Daß es auch dich gefangen nahm,
Weißt du es noch?
Erst warst du so angstvoll, erst warst du so scheu;
Im Innern doch
Schon warst du mir eigen, schon warst du mir treu.
Aber dich schrecken auf allen Schritten
Rücksicht und Sitten.
Doch plötzlich, da schautest du drein,
Ach mit so liebesentschlossenen Mienen,
Und was dir so schrecklich, so groß erschienen,
Es wurde so winzig klein -
Und ohne Rücksicht, so wie ich dein,
Bist du nun mein!

Und da wir nun eins geworden sind,
Da schwatzt es jedes Kind,
An jeder Ecke verweht es der Wind,
Es staunen und zischeln und lästern
Die Strickstrumpf-Schwestern,
Und wenn sie dich seh´n,
Glücklich vorübergeh´n
Seh´n, wie dein ganzes Wesen blüht,
Wie dein schönes Antlitz glüht,
Sie raunen,
das sei von meinem Küssen. -
Laß sie nur raunen, laß sie nur staunen,
Werden sich dran gewöhnen müssen.

©Emil Claar, eigentlich Emil Rappaport
*07. Oktober 1842 in Lemberg
+25. Juli 1930 in Frankfurt am Main

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