Von Katzen - Theodor Storm
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 22.04.2021, 08:16
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Vergangnen Maitag brachte meine Katze
zur Welt sechs allerliebste Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Führwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber – Köchinnen sind grausam
und Menschlichkeit wächst nicht in der Küche –
die wollte von den Sechsen fünf ertränken,
fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maikätzchen
ermorden wollte dieses verruchte Weib.
Ich half ihr heim!
Der Himmel segne mir meine Menschlichkeit!
Die lieben Kätzchen, sie wuchsen auf
und schritten binnen kurzem
erhobnen Schwanzes über Hof und Herd.
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig dreinsah,
sie wuchsen auf – und nachts vor ihrem Fenster
probierten sie die allerliebsten Stimmchen.
Ich aber, wie ich sie so wachsen sah,
ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit. –
Ein Jahr war um, und Katzen sind die Kätzchen –
und Maitag ist’s!
Wie soll ich beschreiben das Schauspiel,
das sich jetzt vor mir entfaltet?
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
in Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
die Alte gar – nein, es ist unaussprechlich,
liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
Und jede, jede von den sieben Katzen
hat sieben – denkt Euch! Sieben junge Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers,
ersäufen will sie alle neunundvierzig!
Mir selber, ach mir läuft der Kopf davon –
O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen?