Summa Summarum
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Feierabend-Mitglied
23.05.2021, 09:19
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Sag, wie wär es, alter Schragen,
Wenn du mal die Brille putztest,
Um ein wenig nachzuschlagen,
Wie du deine Zeit benutztest.
Oft wohl hätten dich so gerne
Weiche Arme weich gebettet;
Doch du standest kühl von ferne,
Unbewegt, wie angekettet.
Oft wohl kam′s, dass du die schöne
Zeit vergrimmtest und vergrolltest,
Nur weil diese oder jene
Nicht gewollt, so wie du wolltest.
Demnach hast du dich vergebens
Meistenteils herumgetrieben;
Denn die Summe unsres Lebens
Sind die Stunden, wo wir lieben.
Wilhelm Busch 1832-1908
Aus der Gedichtsammlung Kritik des Herzens. (1874)
Mit diesen Gedichten wollte er sich seiner Leserschaft als neuer, ernsthafter Autor zeigen.Die zeitgenössische Kritik reagierte auf die 81 Gedichte aber überwiegend verständnislos bis vernichtend , da sie häufig Ehe und Sexualität thematisierten.
Buschs treibende Kraft zur Erschaffung dieses Werks war die Eigenliebe und die Lust an der Selbstbespiegelung und nicht nur das Streben nach Ruhm.
Busch sagte über das Werk Kritik des Herzens:
„In kleinen Variationen über ein bedeutendes Thema sollen diese Gedichte ein Zeugnis meines und unseres bösen Herzens ablegen.“