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Rosemary

Von Fiddigeigei 20.06.2021, 08:32

Rosmarin- Rosemary-Romero. Schon die Bezeichnungen atmen Duft aus.

Ich genieße sie gerne, die vor Hitze flirrenden Mittagszeiten, wenn der mediterrane Gott des Schlafes einem mildtätig die Augen zudrücken will. Dann suche ich Schutz im Schatten des alten Rosmarinstrauches an unserer Hausecke um dort in schläfriger Faulheit zu verharren.
Die kleinste Luftbewegung treibt mir den Duft der tausend kleinen blauen Blüten in die Nase, der Atem geht ruhig und die Siesta nimmt ihren Lauf.
Man hört auf das beruhigende Gesumme und Gebrumme einer vielfältigen Insektenscharen.
Bienenarbeiterinnen in verschiedenen Uniformen, die fleißigen Honigsammler stellen den größten Anteil der geflügelten Besucher.
Lustig sehen die großen Hummeln aus, wenn sie versuchen an den süßen Inhalt zu kommen, aber durch ihren dicken, pummeligen Körper gehindert werden und mit tiefem Brummen unbefriedigt davon fliegen.
Ganz anders, das luftige Volk der Schmetterlinge. Für sie ist die Landung auf den blauen Blütensternen ein Spiel. Mit leichtflügeligem Tanze nehmen sie ihre tägliche Labsal zu sich. Unbeschwert und von der Natur nicht mit lästigem Anlegen von Vorräten belastet, leben sie leichtsinnig in den Tag. So wünsche ich es mir auch: Das Leben zu leben.
Es gibt aber auch gefährliche Bewohner im Rosmarinhaus. Die Gottesanbeterin lauert auf leichtsinnige Beute. Nur erfahrene Augen können sie ausmachen. Sie passt ihren schlanken Leib, gut getarnt in Form und Farbe, gekonnt den Zweigen an.
Dort lauern sie mit viel Geduld, ohne ihre Stellung zu verändern, stundenlang auf eine unvorsichtige Biene oder Mücke. Was ihre beiden langen Greifarme erst einmal gepackt haben, lässt sie nicht mehr los und die Unglücklichen verschwinden Stück um Stück zwischen ihren gefräßigen Kiefern.
Wer hat die Grausame eigentlich Gottesanbeterin genannt? Die Spanier sind da weniger poetisch und nennen sie volkstümlich einfach Theresa!
Aus der Verwandtschaft Theresas stammend, schwirren kleine, unscheinbar braune Heuschrecken in den Romero. Die ernähren sich aber rein vegetarisch. Beim Flug funkeln die Unterseiten ihre Flügel in intensiven Blau oder Rot wie Edelsteine. Schön.
Auch am Boden unter dem Strauch ist Bewegung. Dort huschen kleine Eidechsen, braun geperlt mit langen smaragdgrünen Schwänzen, ruhelos auf der Jagd nach Mücken hin und her. Manchmal verharren sie auch mit schnell atmenden Bäuchen, die nächste Beute im Visier.

Rosmarin und Salbeiblättlein
Schenk ich dir zum Abschiedsgruß,
Und dies sei mein letzt Gedenken,
Weil ich dich verlassen muß.

Was mich drückt, ich darf's nicht sagen,
Muß verschweigen meine Pei'n,
Darf mein Elend niemand klagen,
Muß dabei noch fröhlich sein.

Warst mir treu so viele Jahre,
Hast mir viel zu lieb getan,
Meine Äugelein, die fließen,
Daß ich nichts mehr sagen kann.

Friedrich Silcher 1789-1860

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