Rainer-Maria Rilke
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Feierabend-Mitglied
Freitag 13.08.2021, 08:39 – geändert Freitag 13.08.2021, 08:42
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Bildquelle: Schloß Duino Kärnten - eigenes Foto, entstanden auf dem Rilkeweg
Hier verbrachte Rilke oft eine Auszeit
Ach wehe, meine Mutter reißt mich ein.
Da hab ich Stein auf Stein zu mir gelegt,
und stand schon wie ein kleines Haus,
um das sich groß der Tag bewegt,
sogar allein.
Nun kommt die Mutter, kommt und reißt mich ein.
Sie reißt mich ein, indem sie kommt und schaut.
Sie sieht es nicht, dass einer baut.
Sie geht mir mitten durch die Wand von Stein.
Ach wehe, meine Mutter reißt mich ein.
Die Vögel fliegen leichter um mich her.
Die fremden Hunde wissen: das ist der.
Nur einzig meine Mutter kennt es nicht,
mein langsam mehr gewordenes Gesicht.
Von ihr zu mir war nie ein warmer Wind.
Sie lebt nicht dorten, wo die Lüfte sind.
Sie liegt in einem hohen Herz-Verschlag
und Christus kommt und wäscht sie jeden Tag.
(Aus: Die Gedichte 1910 bis 1922 - München, 14.10.1915)
Dieses Gedicht zeigt dass es keine glückliche Mutter-Sohn-Beziehung gegeben hat. Rilke hatte eine sehr bedauernswerte Kindheit, die durch eine unverständige und später bigotte Mutter geprägt wurde. Im obigen Gedicht wird eine Abneigung gegen seine „überfromme“ Mutter deutlich.