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Mein töricht Herz

Von Feierabend-Mitglied Samstag 08.05.2021, 16:42

Mein töricht Herz, was mühst du deine Stunden
In blinden Klagen um das Einst dahin
Und wühlst mit Wollust in den alten Wunden?
Bringt dir die Eigenmarter denn Gewinn?

Was du einmal verloren hast im Leben,
Sei's nun durch Fügung, sei's durch eigne Schuld,
Musst du für immerdar verloren geben:
So füge dich und trag' es mit Geduld!

Denn ob du jammerst, ob mit leisem Weinen
Du deine Wünsche seufzest in die Nacht,
Das Schicksal wird sie ständig dir verneinen,
Liegt die Gewähr doch nicht in seiner Macht.

Und solltest du sie selbst von ihm erflehen,
Sie zollte deiner Qual kaum halben Dank - -
Die Sonne, die wir morgen steigen sehen,
Wird nie die Sonne mehr, die gestern sank.

Ludwig Ganghofer 1855-1920
Als Schriftsteller hatte Ganghofer seinen Durchbruch mit Hochlandgeschichten und -romanen. – als erstes 1883 mit der Prosafassung des bis dahin erfolglosen Bühnenstücks Der Jäger von Fall.
Er war mit vielen bekannten Persönlichkeiten bekannt und befreundet darunter Reiner Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Frank Wedekind, auch Peter Rosegger war einer seiner Freunde. Adele Sandrock und Karl Valentin wurden von ihm entdeckt und gefördert.

Pseudo-Karl-Valentin-Zitat:
"Über kurz oder lang kann das nimmer länger so weitergehen, außer es dauert noch länger, dann kann man nur sagen, es braucht halt alles seine Zeit, und Zeit wär's, dass es bald anders wird."

Passt gut in unsere Zeit.

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