Mein Glück! - Fr. Nietzsche (1844 – 1900)
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Feierabend-Mitglied
Mittwoch 25.08.2021, 10:10
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Bildquelle: Pixabay kostenlos
Die Tauben von San Marco seh ich wieder:
Still ist der Platz, Vormittag ruht darauf.
In sanfter Kühle schick' ich müssig Lieder
gleich Taubenschwärmen in das Blau hinauf.
Und locke sie zurück,
noch einen Reim zu hängen in's Gefieder...
mein Glück! Mein Glück!
Du stilles Himmelsdach, blaulicht, von Seide,
wie schwebst du schirmend ob des bunten Bau's,
den ich — was sag ich? — liebe, fürchte, neide...
die Seele wahrlich tränk' ich gern ihm aus!
Gäb' ich sie je zurück? —
Nein, still davon, du Augen-Wunderweide...
mein Glück! Mein Glück!
Du strenger Turm, mit welchem Löwendrange
stiegst du empor hier, siegreich, sonder Müh!
Du überklingst den Platz mit tiefem Klange
französisch, wärst du sein accent aigu?
Blieb ich gleich dir zurück,
ich wüsste, aus welch seidenweichem Zwange...
mein Glück! Mein Glück!
Fort, fort, Musik! Lass erst die Schatten dunkeln
und wachsen bis zur braunen lauen Nacht!
Zum Tone ist's zu früh am Tag, noch funkeln
die Goldzieraten nicht in Rosenpracht.
Noch blieb viel Tag zurück,
viel Tag für Dichten, Schleichen, Einsam-Munkeln...
mein Glück! Mein Glück!