Es herbstelt...
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Fiddigeigei
Samstag 02.10.2021, 08:35
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Fiddigeigei
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Herbstgenuss
Der Sommer wird zum Auslaufmodell.
Die Sonne hüllt sich schamhaft in dünne Schleier.
Jetzt richten die Maler Pinsel Farben, Leinwand und Staffelei um das milde, weiche Licht zu nutzen. Es ist ihr ideales Malerlicht.
Spinnen um weben Büsche mit ihren feingesponnen Netze in denen sich der Morgentau fängt und Mücken mit Todessehnsucht.
Die Winzer putzen die Fässer und der erste frühe Wein wird schäumend serviert.
Die Äpfel verspritzen Saft, wenn man in sie hineinbeisst.
Blau erscheinen die sonst im strengen Schwarz gehenden Berge.
Spätzwetschgen die besonders süßen kochen in Töpfen sachte zu Mus und füllen die Gläser in den Vorratsräumen oder liegen aufgeschichtet auf flachem Hefeteig und sind die Beilage zu einer Kartoffelsuppe gemacht aus der neuen Ernte.
Überall prahlen Kürbisse mit ihrer orangen Pracht und verlocken zu Risottos und Co.
Schweine müssen ums Leben fürchten, denn es gibt Blut- und Leberwürste auf frischem Sauerkraut serviert.
An den Häusern duftet es nach Zwiebeln und Freunde werden zum Neuen Wein mit knusprigem Zwiebelkuchen von Blech, gerade aus dem Ofen gezogen, eingeladen.
Auf den Wegen kullern braune glänzende Rosskastanien und Kinder balgen sich beim Sammeln um die schönsten Exemplare.
Wanderer ziehen durch die hanglagigen Esskastanienwälder und füllen Taschen mit den nahrhaften Früchten und stechen sich die Hände wund an den igeligen Schalen.
Die Keschten, wie sie hier genannt werden, werden gekocht. Man lädt Gäste zum Keschtenessen ein. Jeder Gast schält sich die Kastanien selber, bestreicht sie mit etwas Salzbutter. Walnüsse werden geknackt. Neuer- und alter Wein lockert die Zungen von Geschichtenerzähler und fordert auf zum gemeinsamen Singen.
Der Herbst zieht ein !
Das gelbe Laub erzittert,
Es fallen die Blätter herab.
Ach! alles was hold und lieblich
Verwelkt und sinkt ins Grab!
Die Wipfel der Bäume umflimmert
Ein schmerzlicher Sonnenschein;
Das mögen die letzten Küsse
Des scheidenden Sommers seyn.
Mir ist als müßt’ ich weinen
Aus tiefstem Herzensgrund –
Dies Bild erinnert mich wieder
An unsre Abschiedstund.
Ich mußte dich verlassen
Und wußte du stürbest bald.
Ich war der scheidende Sommer,
Du warst der kranke Wald.
Veröffentlicht / Quelle:
Heinrich Heine: Sonntagsblätter, hrsg. von L.A. Frankl, Jg. 6, Nr. 37, Wien 12. September 1847, S. 480