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Ein Taugenichts sein ist das Höchste

Von Fiddigeigei Montag 28.06.2021, 08:16


Vielleicht seid ihr auch so altmodisch und versponnen wie ich und schätzt den romantischen Dichter Joseph von Eichendorff.
Ich jedenfalls, greife oft in meine Bücherkiste und lese statt Liebesromane von Jutta Sanella oder der Pichler Marie, so alte Schwarten.
Was soll ich da lange um den Heißen Brei herum reden.
Da lag ich absolut faul, man könnte fast sagen stinkend faul in einem Liegestuhl und wünschte mir so ein Taugenichts zu sein , eben so ein Versponnener , wie er dem Eichendorff aus der Feder floss.
So, mit nichts wie einer Geige ausgerüstet , dem Lieben Gott schöne Tage zu stehlen und in die Welt hinaus zu ziehen ohne all den Krame am Halse hängen zu haben-oft so schwer wie ein Mühlstein- den der Normalmensch mit sich herum schleppt.

Wie ein großes, weißes Wolkenschiff mit 3 Segel dicht an mir vorbei glitt, ergriff ich meine Chance beim Schopf und schwang mich an Bord. Wie sah von dort oben die Welt doch ganz anders aus und so friedlich.
Nie hätte ich gedacht, dass so etwas möglich sei und verstand plötzlich , warum die Astronauten auf engstem Raum in dieser Kapsel so friedlich zusammen leben.
Als die Wolke auf der ich saß etwas tiefer ging, sprang ich auf einem Feld ab, bedankte mich artig bei ihr und schon flog sie davon um andere Träumer und Faulpelze aufzusammeln.
Eine Wiese mit vielen Blumen bestickt empfahl mir, mich doch einfach hinzulegen in das bunte Blumenbett und dabei zu denken,- nein ich dachte an gar nichts wie es einem richtigen Taugenichts geziemt.
Und als sich ein Kirschbaum, beladen mit den besten Herzkirschen über mich beugte, öffnete ich meinen Mund und aß direkt vom Aste ohne mich anzustrengen ,so dass mir der Saft direkt in die Kehle floss. Die Steine spuckte ich im hohen Bogen auf einen Ameisenhügel neben an und die Tierchen bedankten sich damit, dass sie mich in Ruhe schlafen ließen.
Als die Frau Sonne meinte es sei nun Zeit aufzustehen und mich durch einen lustigen Sonnenstrahl, den sie in eines meiner Nasenlöcher schickte, aufweckte, schlenderte ich in einen nahen Wald wo mich eine fröhliche Vogelschar mit einem Sonntagskonzert begleitete und ich pfiff dazu, denn ich hatte vergessen die Geige mitzunehmen. Der Waldboden war extra für mich bequem mit weichen Buchenblätter und Tannennadeln gepflastert und am Rande des Pfades wuchsen die reifsten und süßten Beeren, so hoch, damit ich mich nicht aufstehen musste.

Aus dem Wald heraus traf ich auf einen breiten grünen Strom, der aus den Schweizer Alpen kommt und gemächlich dahin zieht.
Es war mir warm geworden und so wollte ich ein Bad nehmen und legte mich in die Arme der Rheinnixen und wie ein Lastkahn an mir vorbei zog, hängte ich mich einfach hinten an und ließ mich an der Loreley, die mir ein Kurshändchen zu warf, an den immer lustigen Rheinländern und den ernsten und arbeitsamen Menschen im Pott vorbei schleppen.
Bis hinauf nach Rotterdam ins Land der Tulpen, des Käses und direkt zu Frau Antje die mit den Holzschuhen klapperte und mir ein Brot, dick mit Butter bestrichen in den Mund steckte.

Gerade wollte ich auf einem Holländer anheuern, der nach Madagaskar segelte um dort Zimt und Muscatnüsse zu laden , zog mir jemand meine Wandersandalen von den Füssen und kitzelte mich an einer Stelle, die nur einem Wesen auf der ganzen Welt bekannt ist und ich warf vor lauter Freude die Geige zur Seite, die ich die ganze Zeit gesucht hatte und war glücklich nur ab und zu ein Taugenichts sein zu dürfen.

Wem Gott will rechte Gunst erweisen

1. Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
den schickt er in die weite Welt,
dem will er seine Wunder weisen
in Berg und Tal und Strom und Feld.

2. Die Bächlein von den Bergen springen,
die Lerchen schwirren hoch vor Lust;
was sollt ich nicht mit ihnen singen
aus voller Kehl und frischer Brust?

3. Den lieben Gott lass ich nur walten,
der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
und Erd und Himmel will erhalten,
hat auch mein Sach aufs Best bestellt.

Joseph von Eichendorff 1788–1857
Melodie: Friedrich Theodor Fröhlich 1803–1836

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