"Die Uhr "
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Feierabend-Mitglied
Samstag 10.10.2020, 17:46
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Feierabend-Mitglied
Samstag 10.10.2020, 17:46
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Ich trage ,wo ich gehe,
stets eine Uhr bei mir.
Wieviel es geschlagen habe,
genau seh ich an ihr.
Es ist ein großer Meister,
der künstlich ihr Werk gefügt,
wenngleich ihr Gang nicht immer
dem törichten Wunsche genügt.
Ich wollte,sie wäre rascher
gegangen an manchem Tag;
ich wollte,sie hätte manchmal
verzögert den raschen Schlag.
In meinen Freuden und Leiden,
im Sturm und in der Ruh,
was immer geschah im Leben,
sie pochte den Takt dazu.
Sie schlug am Sarge des Vaters,
sie schlug an des Freundes Bahr,
sie schlug am Morgen der Liebe,
sie schlug am Traualtart.
Sie schlug an der Wiege des Kindes,
sie schlägt, will`s Gott noch oft,
wenn bessere Tage kommen,
wie meine Seele es hofft.
Doch ständ sie einmal stille,
dann wärs um sie geschehn,
kein andrer,als der sie fügte,
bringt die Zerstörte zum Gehn.
Dann müsst ich zum Meister wandern,
der wohnt am Ende wohl weit,
wohl draußen,jenseits der Erde,
wohl dort in der Ewigkeit.
Dann gäb ich sie ihm zurücke
mit dankbar kindlichem Flehn,
sieh Herr,ich hab nichts verdorben,
sie blieb von selber stehn.
Johann Gabriel Seidl
1804-1875
vertont von J.K.G.Loewe