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Das Schloss Boncourt (1827) - Adelbert Chamisso

Von Feierabend-Mitglied Samstag 02.10.2021, 11:30

Bildquelle: Wiki

Ich träum als Kind mich zurücke,
und schüttle mein greises Haupt;
wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder,
die lang ich vergessen geglaubt?

Hoch ragt aus schatt'gen Gehegen
ein schimmerndes Schloß hervor,
ich kenne die Türme, die Zinnen,
die steinerne Brücke, das Tor.

Es schauen vom Wappenschilde
die Löwen so traulich mich an,
ich grüße die alten Bekannten,
und eile den Burghof hinan.

Dort liegt die Sphinx am Brunnen,
dort grünet der Feigenbaum,
dort, hinter diesen Fenstern,
verträumt ich den ersten Traum.

Ich tret in die Burgkapelle
und suche des Ahnherrn Grab,
fort ist's, dort hängt vom Pfeiler
das alte Gewaffen herab.

Noch lesen umflort die Augen
die Züge der Inschrift nicht,
wie hell durch die bunten Scheiben
das Licht darüber auch bricht.

So stehst du, o Schloss meiner Väter,
mir treu und fest in dem Sinn,
und bist von der Erde verschwunden,
der Pflug geht über dich hin.

Sei fruchtbar, o teurer Boden,
ich segne dich mild und gerührt,
und segn' ihn zwiefach, wer immer
den Pflug nun über dich führt.

Ich aber will auf mich raffen,
mein Saitenspiel in der Hand,
die Weiten der Erde durchschweifen,
und singen von Land zu Land.

Schloß Boncourt war Adelbert Chamissos Vaterhaus. In dem Gedicht erinnert sich der Dichter an seine eigene Kindheit, sein Leben, die Vertreibung aus seiner französischen Heimat, die Zerstörung des väterlichen Schlosses während der französischen Revolution.


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