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Brigitte und die Stille

Von Fiddigeigei Mittwoch 23.06.2021, 15:45 – geändert Mittwoch 23.06.2021, 15:48

Brigitte und die Stille
Der blaue Tag liegt in dem Fensterrahmen unerregt.
Im Zimmer deine zarte Brust sich atmend auf und ab bewegt,
Als ist zu atmen schon allein des Lebens allerhöchste Lust.
Windstille liegt am Berge draußen unbewußt,
Als hat die Erde weite Wege heut zurückgelegt.
Und durch die Fenster sieht der Berg auf deine Brust,
Die keinen Augenblick ermüdet stille liegt.
Ein Vogel hoch hin überm Himmel einsam fliegt
Und wie dein Atem ohne Pausen sich über allen Bergen wiegt.

Gedicht von Max Dauthendey
Geb. 1867 in Würzburg, gest. 1918 in Malang/indonesien

Trauma von Carlos Fiddigeigei 2013

Heute bin ich aufgewacht und niemand lag neben mir.

Meine Hand nach deiner tastend, griff ins Leere.

Der Kaffee schmeckt nicht. Ich sitze alleine im Zimmer selbst die Zeitung hat das Rascheln aufgegeben.

Ich steige in UNSER Auto. Der Diesel knurrt.

Er ist es gewohnt ZWEI Menschen zu transportieren.

Im Krankenhaus stehe ich vor Zimmer Nummer 426. Ich klopfe. Niemand sagt> Herein <.

Ich öffne die Türe. Du bist nicht da.

Das Zimmer ist leer. Kein Bett mehr. Da wo es gestern stand nur vier Abdrücke. auf dem öden Linoleum.

Deine Pantoffeln, verloren, einsam auf dem kahlen Fussboden.
Panik!

Ich fahre nach Hause.
Nach Hause ist aber nur wenn ZWEI dort wohnen. Ich koche mir etwas zu essen.
Wie blöde mich doch der Teller anklotzt. Ich schiebe ihn beiseite.

Nachmittags gehe ich UNSEREN Weg. Aber er will mich nicht annehmen. Der Wald rechts von UNSEREM Weg schaut schwarz und gefühllos zu mir herüber.

Wo ist nur deine Hand?

Ich sinke ins Bett. Wie kalt ist UNSER Schlafzimmer. Immer wieder suche ich nach dir.
Keine Berührung, das ist schrecklich.

Was wird morgen sein?

Nachwort:
Man sollte im Wiki, unter Max Dauthendey die ganze Vita dieses Dichters lesen.
In der Zeit des Nationalsozialismus stießen Dauthendeys Werk und Person auf offizielle Ablehnung. So stellte einer der tonangebenden Literaturhistoriker in der NS-Zeit, Adolf Bartels, mit Blick auf die fernöstlichen Handlungsorte der dauthendeyschen Novellen und Erzählungen fest, dass der Verfasser „nun als Exotist gelten“ muss,.[ August Diehl als Landesleiter der  in Mainfranken, 1937 

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